Die österreichischen und spanischen Habsburger

Die Blütezeit unter Kaiserin Maria Theresia

Die erste Zeit der österreichischen Habsburger (1477 – 1555)

Karl der Kühne verstarb 1477 in der Schlacht von Nancy. Er wurde von den österreichischen Habsburgern beerbt, denn Karls Tochter Maria von Burgund heiratete Maximilian von Österreich. Auch er hatte schwer zu kämpfen, vor allen Dingen gegen Ludwig XI. von Frankreich, den er aber in Enguinegatte (Pas de Calais) besiegte. Maria von Burgund starb bereits im Alter von 25 Jahren im Forst Winnendaele bei einem Sturz vom Pferd. Sie hatte zwei Kinder, den Sohn Philipp den Schönen und die Tochter Margarete.

Philipp der Schöne heiratete Johanna von Kastilien, die einzige Erbin des großen spanischen Reiches. Er eröffnet damit die spanische Linie der Habsburger. Sie hatten sechs Kinder, zwei Söhne und vier Töchter. Die beiden Söhne wurden beide deutsche Kaiser, die vier Töchter jeweils Königinnen. Johanna von Kastilien verstarb 1555.

 

1556 trat auch Karl V. von seinen Herrscherämtern zurück und teilte seine heterogenen Herrschaftsgebiete zwischen seinem ältesten Sohn Philip II., der die spanischen Besitzungen erbte, und seinem jüngeren Bruder Ferdinand I., der die österreichischen Erblande bereits 1521 erhalten hatte und dem nun auch der Kaisertitel zufiel, auf. Durch diese Teilung spaltete sich das Haus Habsburg in eine spanische (Casa de Austria) und eine österreichische Linie (Haus Habsburg-Österreich). Karl verstarb 1558 in der Abgeschiedenheit des Klosters San Jerónimo de Yuste.

 

Was nun Hauset betraf, so beeinflussten vor allen Dingen ausländische Mächte das Leben der Menschen, auch in vielen anderen Orten im Herzogtum Limburg. Heitmann-Janssen schreiben hierzu: Mit den in der Geschichte wechselnden Bürgermeistereien, die für Hauset zuständig waren, gab es wenig Schwierigkeiten. Das Herzogtum Limburg selbst machte auch keine Probleme. Aber die übergeordneten Mächte zu denen Limburg gehörte oder deren Gegner waren eine Plage für die Bevölkerung. Eine endlose Folge von durchziehenden Truppen ruinierten das Land immer wieder. Es waren weniger die Kampfhandlungen, die Dörfer zerstörten. Es waren die Furage Leistungen, die die Bevölkerung für die sich in ihrem Gebiet aufhaltenden befreundeten oder feindlichen Truppen leisten mussten, und deren mörderische Zerstörungswut, wenn die Leistungen nicht erbracht wurden – oft weil die Vorgänger schon nichts mehr übrig gelassen hatten. Und die Oberhoheit über Limburg wechselte ja häufig.

Den Hauseter Schülerinnen und Schülern war vor allen Dingen der Name von Karl V. geläufig. In seinem Reich ging „die Sonne nie unter“, herrschte er doch auch über die Besitztümer in Übersee.

 

Karl V. war zunächst deutscher König und wurde in Aachen gekrönt. Zum deutschen Kaiser wurde er 1520 in Bologna gekrönt. Sowohl vor als auch nach ihm waren die deutschen Kaiser meist in Aachen gekrönt worden. Die Kaiserstadt, ganz in der Nähe von Hauset, war also so etwas wie der Mittelpunkt des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Ob die Bewohner in Hauset davon etwas mitbekamen?

 

 

Die spanischen Habsburger (1555 – 1714)

Unser Land und unter anderem das Herzogtum Limburg waren nun der spanischen Linie zugefallen. Diese Dynastie dauerte bis 1714. Hauset gehörte bis ins 17. Jhd. hinein zur Pfarre Walhorn; die Taufen, Heiraten und Beerdigungen erfolgten also in der dortigen Pfarrkirche St. Stephanus. So ist zum Beispiel im ältesten Walhorner Kirchenbuch auf den 28. März 1606 die Taufe eines „Peter“ von „Housit“ eingetragen.

 

Was die Burg betraf, so gab es laut Minke einen weiteren Besitzwechsel im Jahre 1632. In den Aufzeichnungen ist die Rede vom Stocklehen, der „Ansiedel“ und der Burg zu Hauset. Letztere scheint also zu diesem Zeitpunkt noch erkennbar gewesen zu sein. 1632 wurde der Pfarrer von Eynatten, wo eine Schloßkapelle bestand, ermächtigt, Pfarrfunktionen auszuüben. 1676 wurde die „capella de Eynatten“ zu einer Pfarrkirche erhoben und wurde somit unabhängig von Walhorn. Erster Pfarrer war Cornelius Matthaei. In dem Pfarrarchiv finden sich ab dann auch frühe Spuren von Hauset, wie Minke weiter ausführt, beispielsweise der auf den 28. Oktober 1677 eingetragene Tod der „Anne vidua (Witwe) Crummel ex-Hoset“. Bei ihrer Errichtung 1676 umfasste die Pfarre Eynatten also auch das Quartier Hauset.

 

 

 

Dies war vielleicht darauf zurück zu führen, dass Arnold Schuyl, Herr der 1628 für den gesamten Bankbezirk errichteten Herrlichkeit Walhorn, mit Genehmigung der spanischen Krone, die Quartiere Eynatten und Hauset zur selbständigen Herrlichkeit erhoben und an Arnold Huyn von Amstenraedt verkauft hatte. Die Herrlichkeit hatte auch eine eigene Gerichtsbarkeit. Nach seinem Tod im Jahre 1663 kam die Herrlichkeit an seinen Schwiegersohn Gerhard van Dieden Malatesta, der sie zwei Jahre später wieder mit der Herrlichkeit Walhorn vereinigte. Zuständig war also nun auch wieder das Gericht in Walhorn. 

In einer chronologischen Schautafel stellten Janssen-Heitmann weitere Ereignisse dieser Zeit graphisch dar, aber auch die Herrschafts-Perioden davor und danach. Es ist die Zeit um den dreißigjährigen Krieg mit den nachfolgenden Wirren und die der Feldzüge Ludwig XIV. von Frankreich, die zwar den Niederlanden und der Pfalz galten, die aber so nebenbei auch unsere Gegend trafen. So sind für Hauset vermeldet:
- die Pest im Jahr 1635/1637. Dabei zählt der Walhorner Pfarrer Voets zwischen 1635 und 1637 in seinem Pfarrbezirk 230 Tote, die an der Pest verstarben und in Walhorn ihre letzte Ruhestätte fanden, darunter auch Einwohner von Hauset.
- die Besatzung durch Lothringischen Truppen während sechs Jahren von 1651 bis 1657;
- der Durchzug der Luxemburger Truppen 1668.
- der Überfall durch französischen Truppen 1684. Die Eroberungskriege Ludwig XIV. brachten seit 1672 großes Elend über die Bewohner der Bank Walhorn. Manche Dörfer waren zur Hälfte, ja zu zwei Dritteln entvölkert. Besonders schrecklich war das Jahr 1684, denn Eynatten wurde fast ganz niedergebrannt, auch in Hauset gingen alle 25 Häuser des Quartiers in Flammen auf.
- die Truppen der Brandenburger, Hessen und Pfälzer 1691 plünderten insbesondere in den Quartieren Hergenrath und Hauset, die chaotischen Verhältnisse begünstigten zusätzlich das Aufkommen von herumstreunenden Räuberbanden und auch Truppen, so zum Beispiel auch aus Köln, Münster und Paderborn im Jahr 1692.
- zusätzlichen Schrecken verbreiteten im September 1692 mehrere starke Erdstöße. Wenn die Burg die Brandschatzungen von 1684 überstanden hätte, so wäre dies wohl auch das Ende gewesen. Jedenfalls ist in den Aufzeichnungen von 1727 die Rede von „d’oude bourch“ zu Hauset, was auch auf den Zustand hindeuten könnte und nicht nur auf das Alter. Es wird jedenfalls allgemein angenommen, dass die Burg Hauset im Laufe des 18. Jahrhundert zur Ruine verfiel. Waren Mitte der 1960er Jahre noch Reste von Mauern sichtbar, so ist heute nur eine Grasnarbe noch übrig geblieben.

 

 

All das Leid des Jahrhunderts hatte vielleicht dazu geführt, dass die Hauseter um 1700 an den Bau einer Kapelle gingen, dem Bau der noch heute besteht. Die Kapelle ist dem Heiligen Rochus, dem Schutzpatron der Pestkranken, geweiht. An dieser Stelle lag wohl damals der Dorfkern, und auch das Gut Grosshaus wurde etwa zu dieser Zeit erbaut oder erneuert. Es befindet sich heute noch in unmittelbarer Nähe der Kapelle. Zum Teil soll der Vorbesitzer van Weersth noch um 1900 Steine der alten Burg für die Erweiterung des Baus und der Stallungen verwendet haben. Der Ortsteil um die Kapelle wird auch heute noch „ejen dorp“ bezeichnet. Aus dem Raerener Taufbuch geht hervor, dass der dortige Pfarrer Momber 1707 eine Glocke für die Hauseter Kapelle weihte.

 

Ab 1701 gab es um die Erbfolge des kinderlosen verstorbenen Königs von Spanien kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und dem Kaiser (des Heiligen Römischen Reiches), welche die Bevölkerung erneut schwer drückten.

 

Einer Aufstellung von 1705 zufolge verfügte von den zehn Dörfern in der Bank Walhorn Kettenis mit 14.663 Gulden jährlich über das höchste Einkommen. Hauset stand mit 5.998 Gulden auf dem siebten Platz dieser Rangliste. Wichtigste Einnahmequelle von Hauset war die Landwirtschaft; schon zu Beginn des 17 Jhd. waren dies überwiegend Grasparzellen, was darauf schließen lässt, dass die Viehwirtschaft den Ackerbau mehr und mehr verdrängt hatte, schreibt schließlich Alfred Minke. 

 

 

 

Die österreichischen Habsburger (1714 – 1794).

Nach einem Jahrhundert der Heimsuchungen fiel das Herzogtum Limburg durch den Frieden von Utrecht 1713/ 1714 wieder an die österreichischen Habsburger, somit auch die Bank Walhorn und Hauset. Sie brachten unserem Land den lang ersehnten Frieden, von wenigen kurzen Unterbrechungen abgesehen. Nun wurde Hauset zum ersten Mal eine selbständige Bürgermeisterei.

 

Besonders hervorzuheben ist die Zeit von Kaiserin Maria Theresia (1740-1780), unter der Handel und Wandel wieder dauerhaft aufblühten. Anderweitig gibt es über diese Zeit kaum nennenswerte Ereignisse zu berichten.

Einen detaillierten Einblick in die Bodenaufteilung des Quartiers Hauset gewährt die 1771 – 1774 auf Anordnung der Kaiserin Maria Theresia vorgenommene Katastererhebung, die „opneminge ende schattingen der erffgoederen“ genannt. In seinem Beitrag „Das theresianische Kataster (1771-1774)“ hat Alfred Minke im Heimatbuch Hauset Band 2 (2012) viele interessante Details veröffentlicht, von denen wir hier nur die wichtigsten Zusammenfassungen aufführen möchten.

 

Hauset zählte damals 66 Häuser und 2 Lohmühlen. Die Verteilung des Grundbesitzes zwischen den in den Katasterregistern aufgeführten 80 Eigentümern war recht ungleich, schlussfolgert A. Minke. Von den zehn wichtigsten Grundbesitzern war die Gemeinde oder das Quartier mit über 334 ha der weitaus größte Eigentümer, das waren 49% der gesamten Fläche. Von den restlichen 51% waren über 45% in Händen von Personen, die nicht in Hauset wohnten (zum Beispiel Arnold Schmets, Schöffe der Bank Walhorn). Auch fiel auf, dass die aus Hauset stammenden Landeigentümer vor allem unter den kleinen und kleinsten Grundbesitzern zu finden waren. Unter den 26 größten Grundbesitzern waren nur wenige aus Hauset, es fallen dabei die Namen Wintmeulen, die Witwe Lennerts und Arnold Kittel auf. Bekannt sind auch Namen wie Timmermann „op den vester“ (mehrere Nennungen). Unter den verbleibenden 54 kleineren Grundbesitzern waren 40 aus Hauset. Hier fallen Namen auf wie Cornelius Bischop und Jakob Bischoff, Mees Janssen, Peter Scheijf, Jan Hanebecker („op de geul“). Die beiden Lohmülen gehörten der Witwe des B. Borstenbley aus Aachen und dem Schreiber der Bank Walhorn, Johann Winand Heyendal aus Astenet, der auch der zweitgrößte Grundbesitzer war. Der Viehbestand wird mit 6 Pferden, 59 Kühen, 41 Jungkühen, 26 Schafen und 17 Lämmern angegeben.

 

Aus einer Steuerliste aus dem Jahr 1782 geht hervor, dass es neben den Landwirten noch andere Berufe gab: 3 Schankwirte, 2 Schuhmacher, 2 Böttcher sowie einen Bäcker, einen Zimmermann, einen Schneider und auch einen Krämer (der besteuert wurde „voor wat Potick“ zu halten, eine Laden also). Schließlich beteiligte sich Hauset mit 651 Gulden an den Verwaltungskosten der Bank Walhorn (für das Gehalt des Försters, des Glockenläuters, des Münzwiegers, des Organisten, des Kaplans und des Schulmeisters von Eynatten, sowie für das Mähen der herzoglichen Wiesen und für die Auslagen der Bürgermeister der Gemeinde wie dem Wegebau).

 

Lediglich die letzten 10 Jahre des „Ancien Régime“, Josef II. war inzwischen Kaiser geworden und unser neuer Landesherr, wurden turbulenter. Seine überstürzte Reformpolitik rief viel Unzufriedenheit hervor und das soziale Ungleichgewicht besorgte den Rest.

 

 


Die Janssens aus Hauset

Walther und Elka Janssen wohnten mehr als 40 Jahre mit ihren drei Söhnen in dem kleinen Ort Hauset, einem Ortsteil der Gemeinde Raeren in Ostbelgien. Vieles in dem Archiv unserer Webseite dreht sich deshalb um diese 40 Jahre gemeinsamer Erlebnisse, aber auch um die Zeit davor. Elka und Walther wohnen seit 2013 in Schleckheim, einem Stadtteil im Süden von Aachen. Die beiden ältesten Söhne sind mit ihren Familien in Hauset geblieben, der jüngste Sohn wohnt am Firmensitz der Janssen Cosmetics in Oberforstbach (Aachen).  Wir möchten die Privatsphäre schützen, deshalb reagieren wir gerne auf Hinweise. Wenn Ihr also Hinweise,  Fragen, Anregungen und Vorschläge oder Ideen habt, meldet Euch gerne  

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Kommentare: 1
  • #1

    Detlev O. (Freitag, 01 Januar 2021 17:57)

    Lieber Walther, Du hast das Jahr 2020 sehr gut von allen Seiten beleuchtet. Immer ein Blick auch auf die Firma. Bleibt gesund