Die Familie Janssen in Eupen (1936-1945)

Richard und Martha Janssen und die Kriegsjahre 1940-1945

Siegfried, Mama und Monique
Siegfried, Mama und Monique

Bevor ich das Licht der Welt erblickte

 

Meine Schwester Monique, acht Jahre älter als ich, schilderte mir die Jahre vor meiner Geburt aufgrund eigener Erinnerungen und Recherchen wie folgt.

 

Meine Mutter Martha Klein stammte, wie in der Ahnentafel im Vorkapitel dargestellt, aus Udenbreth in der Eifel, mein Vater Richard Janssen stammte aus Eupen, wo die Familie in der Haasstraße wohnte. Die beiden  hatten sich dort wohl in den dreißiger Jahren kennengelernt. Martha machte ihren Schulabschluss 1922 in Udenbreth mit einem sehr guten Zeugnis. Nach einigen Jahren ging sie als Haushaltsgehilfin zu einer belgischen Familie „in Stellung“, die Familie Knauff in Laeken (Brüssel). Herr Knauff war Silberwarenfabrikant. Mit Familie Knauff verbrachte Martha mehrere Sommer an der belgischen Küste in Blankenberge und lernte nebenbei natürlich sehr gut Französisch. Als Familie Knauff nach Verviers zog, war Mutter Martha bei Familie Goffart als Haushaltsgehilfin tätig und kam etwa 1935 als Gehilfin zum Hotel Bosten in der Eupener Unterstadt. Mein Vater arbeite im Busunternehmen Bosten nebenan. Es ist also zu vermuten dass die beiden sich dort kennenlernten. Sie heirateten standesamtlich in Eupen am 27.4.1937 in Eupen und kirchlich am 1. Mai in Udenbreth. Die beiden wohnten dann zunächst für kurze Zeit Schilsweg 31 und anschließend Selterschlag 5 in Eupen. Vater Richard war nachweislich ab Juni 1937, also nach der Heirat, als Spediteur tätig und dies bis 1941. Meine Schwester Monique wurde am 26. Mai 1939 geboren. Ein Jahr später brach der Zweite Weltkrieg auch im Westen aus, denn am 8. Mai 1940 war die deutsche Wehrmacht in Belgien einmarschiert. Bereits am 18. Mai 1940 annektierte Adolf Hitler per Erlass die Kreise Eupen-Malmedy und „führte“ sie „heim ins Reich“. In Eupen hatte die Bevölkerung diese Einverleibung wohl mehrheitlich begrüßt. Zeugnisse zur Haltung meiner Eltern sind mir nicht bekannt, ich gehe davon aus, dass sie ebenfalls diese mehrheitliche Einstellung teilten. Mein Bruder Siegfried wurde am 26. Juni 1941 geboren. In dem Jahr trafen die Wirren des Krieges auch die Bevölkerung in Eupen-Malmedy, denn nun wurden die Männer im wehrpflichtigen Alter gemustert und für die deutsche Wehrmacht rekrutiert. 

 

Der genaue Diensteintritt meines Vaters zur deutschen Wehrmacht ist nicht in der Deutschen Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht vermeldet. Die erste festgestellte Meldung über ihn stammt vom 27. März 1942. Inzwischen hatte der Russlandfeldzug, das Unternehmen Barbarossa, begonnen. Der Dienstgrad von Richard Janssen war Grenadier, zunächst in der 2. Kompanie, der Kraftfahr-Ersatz-Abteilung 26. Er war den Truppen des Mittelabschnitts zugeordnet. Sie stießen unter Generalfeldmarschall von Bock bis Rschev, etwa 40 km von Moskau, vor. Am 4. Juni 1942 ist vermeldet, dass Richard jetzt der 11. Kompanie, dem Infanterie-Regiment 216 angehörte. Am 26.11.1942 wurde er durch einen Granatsplitter am linken Ellenbogen verwundet und landete zunächst im Lazarett von Fedorowskoye (Oblast Smolensk), wurde aber schon am 28.11.1942 im Feldlazarett 110 in Tatewo (Oblast Twer) aufgenommen. Bereits am 6. Dezember 1942 verlegte man ihn schließlich in das Reserve-Lazarett VI nach Warschau. Von dort kam er zurück in die Heimat, denn am 21.10.1943 wurde Richard Janssen aus dem Reserve-Lazarett Sankt Vith entlassen und laut Meldung vom 29. Februar 1944 dem Panzer-Grenadier-Ersatz-Bataillon 64 zugewiesen. Vermutlich im März 1944 war er laut einer Meldung vom Wehrmeldeamt Eupen nunmehr der 1. Kompanie und zwar der Kraftfahr-Ersatz Abteilung 9 zugeteilt. Am 26. Februar 1945 wurde er schließlich zum Wehrmeldeamt Eschwege entlassen, dort war die Familie in der Evakuierung gestrandet. 

 

Dem Feind hatte Richard ins Auge gesehen, denn in einem Schrank unseres Wohnzimmers lagen noch Jahre nach Kriegsende in einer Blechdose das Infanterie-Sturmabzeichen und das Verwundetenabzeichen. Wie der Zeitpunkt es verdeutlicht, hatte er sich recht früh, wie es damals hieß, „den Heimatschuss eingefangen.“ Richard war jedenfalls in den Monaten nach dem Lazarettaufenthalt in Warschau und Sankt Vith stets zu Hause in Eupen. Mit vielen anderen Eupener Familien (Familie Decker) führte die Evakuierung unsere Familie von Eupen nach Netra im Ringgau (Nordhessen). Der Ort ist etwa 20Km  von Eschwege entfernt.

 

Nach der Heimkehr mit der ganzen Familie im Mai 1945 wurde Richard erst einmal im Zuge der  „Säuberung“ inhaftiert. Er hatte einige Tage im Zwischenlager Garnstock (Baelen) verbracht und einige Wochen im Gefängnis von Heusy bei Verviers. Er wurde aber alsbald aus dem Gefängnis entlassen. Ob und inwieweit die guten Beziehungen meiner Mutter nach Verviers hier eine Rolle spielten ist nicht bekannt.

 

Meine Schwester berichtete weiter, dass Mutter Martha während des Krieges an der Adresse Selterschlag 5 einen kleinen Tante Emma-Laden betrieb. Dort wohnte Familie Janssen in einem Haus, das Herrn Barnier gehörte. Meine Geschwister Monique und Siegfried wurden dort geboren. Im dem gleichen Haus wohnte die Familie Decker, die nach dem Krieg auch in Hauset und Hergenrath gewohnt hat. 

 

Unsere Familie landete, wie oben erwähnt, im September 1945 in Hauset. Links angebaut an dem landwirtschaftlichen Gebäude des Herrn Havenith, steht ein rotes Backsteinhaus. Dort bezog die Familie auf der ersten Etage eine Wohnung, Parterre betrieb August Havenith damals noch eine Gastwirtschaft. Die Wohnung der ersten Etage war während des Krieges von Major Esser gebaut worden. 

 

Wieder weiß meine Schwester aus der Erinnerung zu berichten, dass mein Vater Ende 1945 und Anfang 1946 wohl arbeitssuchend war, denn er sei viel zu Hause gewesen. Monique wurde 1945 in Hauset eingeschult, aufgrund einer Krankheit nahm sie erst im Dezember am Unterricht teil. Deshalb war Monique noch nicht abgelichtet auf dem ersten Klassenfoto der Schulklassen des Schuljahres 1945-1946 vom Herbst 1945. Siegfried kam im September 1947 in die Schule, wenige Wochen vor meiner Geburt.  

 

 

Walther Janssen: Ein Lebenslauf

Von der Kindheit bis zur Ausbildung

 Die Familie zieht 1945 von Eupen nach Hauset

 

Meine Eltern Richard Janssen und Martha Klein zogen am 28. September 1945 mit ihren beiden Kindern Monique und Siegfried von Eupen nach Hauset und mieteten dort auf Frepert bei August Havenith und Eugenie Kleynen eine Wohnung und zwar Hauseter Weg 86. 

 

Hauset, das war damals eine der kleinsten Gemeinden im deutschsprachigen Gebiet Belgiens, Mit dem Versailler Vertrag waren die Kantone Eupen-Malmedy, zu denen Hauset gehörte, 1920 dem Königreich Belgien zugeschlagen worden. Die Gemeinde ist gelegen im äußersten Zipfel des Königreichs an der Grenze zu Aachen. Das schmucke Dorf wurde mit vielen Namen bedacht, das „Dorf an der Göhl“ (Leo Kever), „versteckt im Grünen“ (Willy Timmermann) oder war gänzlich unbekannt („Wo liegt eigentlich Hauset?“ fragte das „Echo der Gegenwart“ in Aachen 1861). In der Tat ist das Dorf an der Landstraße von Aachen nach Eupen gelegen, „Bauw ongemerkt, jätt open Sij“ (Mundartdichter Erich Kockartz aus Hauset in seinem Gedicht Os Hosend a jen Jöhl). 

 

Warum die Familie, zu der auch schon die beiden Kinder Monique und Siegfried gehörten, gerade nach der Rückkehr aus der Evakuierung in Hauset landeten, ist heute nicht mehr genau nach zu vollziehen. Eine Rolle kann dabei gespielt haben, dies ist aber nur meine Vermutung, dass mein Vater von der Familie des Industriellen Knauff aus der Textilstadt Verviers protegiert wurde, und somit nach der kurzen Inhaftierung im Garnstock in Eupen und in Verviers recht schnell wieder als freier Mann und ‚unbescholten‘ die Säuberung nach dem Zweiten Weltkrieg überstand. Meine Mutter war vor dem Kriege bei Knauff „in Stellung“ gewesen. Die Haveniths waren eher als pro-belgisch bekannt und vielleicht reichte eine Empfehlung aus, meine Eltern dorthin zu vermitteln.

 

August Havenith war Schreinermeister und ihm gehörte eine Schreinerei, die etwas unterhalb des Hauseter Wegs, Richtung Dorf, in einer Kurve lag, hinter dem Haus, das damals von der Familie der Witwe Odilie Falkenstein mit ihren Kindern Aloysia und Hugo bewohnt wurde. Vor dem Kriege hatte August in dem Gebäude neben dem eigentlichen Hof, der 1866 erbaut wurde, ein Hotel mit Café und Restaurant betrieben, „Freport“ genannt (oder war das ein Druckfehler auf der Ansichtskarte?). Die Gaststätte umfasste auch ein kleines Sälchen. Nach dem Kriege unterhielt Frau Taxhet an dieser Adresse noch ein ebenso kleines Geschäft. Der Saalbetrieb bestand noch einige Jahre, das Hotel seit längerem nicht mehr. August Havenith war der Bruder von Heinrich Havenith. Die Familie Heinrich Havenith bewirtschaftete einen Bauernhof in Hauset, gelegen im Ortsteil Stöck. Heinrich war in den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen Mitglied des Hauseter Gemeinderats und auch einige Jahre Bürgermeister von Hauset gewesen. Er war dann allerdings, noch im Amt, verstorben. Ein Sohn, Hugo Havenith, bewirtschaftete den Hof weiter. Heute ist dort der Jacobs Hof beheimatet, eine kulturelle Begegnungsstätte. 

 

Fünfundsechzig Jahre meines Lebens verbrachte ich, Walther Janssen, im Ortsteil Hauset der heutigen Gemeinde Raeren in Deutschostbelgien. Meine Eltern waren laut Melderegister am 1. September 1945 aus der Stadt Eupen nach Hauset umgezogen und wohnten dort auf Frepert, dem höchsten Punkt von Hauset, das damals eine eigenständige Gemeinde war. Die Wohnung war gelegen Hauseter Weg 89, auf der ersten Etage einer Doppelhaushälfte aus Backsteinziegel, die dem Hauseter Schreinereibesitzer August Havenith gehörte. In dieser Wohnung erblickte ich am 5. Oktober 1947 das Licht der Welt. 

 

Ich möchte die Lebenschronik wiedergeben so wie ich diese Zeit bis zu meiner Verrentung im Jahre 2012 zusammen mit meiner Familie erlebt habe. In dieses turbulente Leben habe ich versucht etwas Ordnung zu bringen und stelle hier die einzelnen Lebensabschnitte dar. 

 


Kindheit

1947 - 1953

Die Kindheit auf Frepert in Hauset

Volksschule

1953-1959

Jugendjahre in der Flög

Mittelschule

1959 - 1966

Besuch des Gymnasiums in Eupen

Universität

1966 - 1971

Militärdienst und Studium in Lüttich



Richard Janssen und Martha Klein heirateten 1936 in Udenbreth In der Mitte sind sie mit Onkel Alex und Tante Mariechen, den Trauzeugen. Sie hatten sich in Eupen kennengelernt bei Bosten kennengelernt. Mama arbeitete zuvor in Stellung in Tervuren und Verviers. Hier im Urlaub mit Familie Knauff an der Nordsee bei Blankenberge. Rechts das Haus in Bebra wo die Familie in Evakuierung untergebracht war.


Die Janssens aus Hauset

Walther und Elka Janssen wohnten mehr als 40 Jahre mit ihren drei Söhnen in dem kleinen Ort Hauset, einem Ortsteil der Gemeinde Raeren in Ostbelgien. Vieles in dem Archiv unserer Webseite dreht sich deshalb um diese 40 Jahre gemeinsamer Erlebnisse, aber auch um die Zeit davor. Elka und Walther wohnen seit 2013 in Schleckheim, einem Stadtteil im Süden von Aachen. Die beiden ältesten Söhne sind mit ihren Familien in Hauset geblieben, der jüngste Sohn wohnt am Firmensitz der Janssen Cosmetics in Oberforstbach (Aachen).  Wir möchten die Privatsphäre schützen, deshalb reagieren wir gerne auf Hinweise. Wenn Ihr also Hinweise,  Fragen, Anregungen und Vorschläge oder Ideen habt, meldet Euch gerne  

dialog@waltherjanssen.eu  


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Kommentare: 1
  • #1

    Detlev O. (Freitag, 01 Januar 2021 17:57)

    Lieber Walther, Du hast das Jahr 2020 sehr gut von allen Seiten beleuchtet. Immer ein Blick auch auf die Firma. Bleibt gesund