Als Babor Geschäftsführer 1983-1987

Am 20. April 1983 wurde ich offiziell zum Geschäftsführer der Dr. Babor GmbH & Co. KG bestellt, praktisch hatte ich die Funktion bereits seit dem 1. April 1983 ausgeübt. Es begannen nun intensive Jahre eines beruflichen Lebens in leitender Stellung und es gelang in einem Zusammenspiel von drei Geschäftsführern das unternehmen zu einer führenden Dienstleistungsmarke der Kosmetik weltweit auszubauen. Als Geschäftsführer Marketing und Vertrieb war ich sowohl für Deutschland als auch für den internationalen Vertrieb zuständig, weshalb ich weiterhin auf allen Kontinenten unterwegs war. 

 

4. Geschäftsführer bei Babor Cosmetics von 1983-1987

 

Schon die ersten Jahre im Unternehmen Babor waren für mich sehr erfolgreich. Ich hatte mir zunächst bei allen Leuten Respekt und Anerkennung verschafft, aber auch den Exportumsatz des Unternehmens bedeutend gesteigert und vor allen Dingen den internationalen Auftritt erkennbar gestärkt. Man spürte förmlich, wie die Marke BABOR an Bekanntheit gewann. 

 

Der Geschäftsführer Reinhard Depkat hatte das Unternehmen verlassen und Rolf Ludl war zum neuen Geschäftsführer bestellt worden. In Deutschland war es so, dass der Außendienst auf 18 Personen ausgebaut worden war, hinzu kamen noch sogenannte Reisekosmetikerinnen und Schulungsreferentinnen für die Kosmetikschulen. Durch die Kraft des Außendienstes schnellte auch in Deutschland der Umsatz in die Höhe, prozentual allerdings nicht so stark wie im Export.  

Herr Depkat hätte also die Früchte seiner Arbeit ernten können, allerdings war das Zerwürfnis wohl zu groß. Er hatte sich gleichwohl noch vor seinem Ausscheiden mit einen „Tag der offenen Tür“ verabschiedet, bei dem auch zahlreiche Angehörige der Mitarbeiter anwesend waren. 

 

Dr. Leo Vossen und seine Frau, die häufiger bei uns in der Flög in Hauset ihre Spaziergänge machten, hatten Elka dabei angesprochen, um zu erfahren wie es wohl sei, wenn ich Geschäftsführer werden würde. Elka war ob meiner vielen Reisen und der vielen Abwesenheiten vielleicht nicht  bewusst, welche Konsequenzen dies haben würde. Die Unterredung muss allerdings erfolgreich verlaufen sein, denn am 22. April 1983 wurde ich gemeinsam mit Heinz-Dieter Rietfort zum Geschäftsführer bestellt, so dass nun drei Geschäftsführer das Management der Dr. Babor GmbH übernahmen. Rolf Ludl zeichnete verantwortlich für die Verwaltung und das Finanz- und Rechnungswesen, Dieter Rietfort als technischer Geschäftsführer für die Produktion, das Lager, den Einkauf und das Entwicklungslabor und ich selbst für Marketing und Vertrieb.

 

Im Vertrieb hatte ich viele Bewerbungsgespräche zu führen, bei denen mir vor allen Dingen Herbert Rondas, der Vertriebsleiter Innendienst, sehr half, oder besser ausgedrückt, er hatte das in die Hände genommen. Herbert Rondas war sowieso ein Urgestein des Unternehmens und ein angenehmer Partner, für Kolleginnen, Kollegen und Kundinnen gleichermaßen. Unsere Beziehung war von Respekt getragen. Herr Rondas hat mich sogar noch zwanzig Jahre später in Brüssel auf der „Estetika“ besucht, sowie im eigenen Betrieb in der Pontsheide in Oberforstbach. Leider kam er bei einem tragischen Verkehrsunfall kurze Zeit später ums Leben und hatte nicht mehr viel von seinem Ruhestand. Auch die Außendienstler von damals sind heute meist in Rente, um nur einige zu nennen, Herr Bock aus Bergisch-Gladbach, Herr Kriener aus München oder Herr Krüger aus Hamburg. Lange waren auch Herr Piltz vom Innendienst oder Frau Horbach im Unternehmen aktiv, ich begegnete ihnen später häufiger, da sie für die Messeorganisation zuständig waren.  

 

Genau zum 1. Januar 1983 wurde auch ein junger Akademiker eingestellt, der dem Unternehmen lange Jahre verbunden blieb, nämlich Dr. Roland Sacher. Dr. Sacher war Pharmakologe und Biologe und er wurde mit dem „ wissenschaftlichen Marketing“ beauftragt. Dr. Leo Vossen hatte stets darauf gedrängt, dass ein Doktor in der Firma als Aushängeschild nach außen agieren sollte, denn das war ja auch Dr. Michael Babor gewesen. Dr. Schimanski war als Laborleiter selten nach außen hin aufgetreten. Da die Tochter von Dr. Vossen, Jutta Grablowitz, im Unternehmen eine Tätigkeit in der Anwendungstechnik aufgenommen hatte, sie war ausgebildete Kosmetikerin, wollte man ihr mit Dr. Sacher einen Akademiker zur Seite stellen. Dr. Sacher reiste nun auch durch die Lande, entwarf die Produktunterlagen, hielt Vorträge und führte auch Seminare durch. Dies war seine Funktion bis Ende 1986.

 

Nicht wenige Bewerber aus den Jahren 1983, sowohl Vertreter als auch Kosmetikerinnen, kreuzten später meine Wege oder man traf sich in anderen Unternehmen oder bei anderen Tätigkeiten wieder. So lernte ich unter anderem Jutta Janzen aus Oberhausen kennen, die ihre Tätigkeit als Schulungsreferentin am 1. Januar 1983 bei Babor aufnahm. Sie tauchte Jahre später erneut in meiner eigenen Firma auf und begann im Jahr 2000 einen neuen Karriereabschnitt. Als Reisekosmetikerin eingestellt wurde auch Renate Zimmer, spätere Renate Lüdke, Sie sollte ich ebenfalls nach Jahren  beim Veranstalter der Frankfurter Messe wiedersehen. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Innendienst standen alle loyal zu mir und viele von ihnen arbeiteten auch lange Jahre bei Babor, oft bis zu ihrer Rente. 

 

Neben der Führung des Vertriebs Deutschland, Innendienst wie Außendienst, hatte ich auch die Leitung der Marketingabteilung übernommen. Die Abteilung Marketing hatte bisher ein Herr Braun geleitet, der allerdings in den Pharmagroßhandel wechselte. Er wurde nun durch Horst Müller ersetzt. Rolf Ludl verstärkte seinen Geschäftsführungsbereich in der EDV mit Herrn Franken, in der Buchhaltung mit Herrn Quast und im Controlling mit Herrn Runge, den Rolf Ludl und ich auch noch aus den Zeiten bei Lindt kannten. Auch Heinz Dieter Rietfort, der technische Geschäftsführer, musste seinen Bereich stets ausbauen, räumlich wie personell. So wurde zunächst der Kriechkeller unter dem Betriebsgebäude ausgehoben um neuen Lagerplatz zu gewinnen. Herrn Rietfort unterstand neben der Produktion auch das Labor, das zunächst von Dr. Bauer, dem Assistenten von Dr. Schimanski geleitet wurde, danach allerdings von Herrn Pohl. 

 

Von den drei Geschäftsführern hatte jeder eine eigene Sekretärin, für mich arbeitete Katy Martinez, die Tochter jener Frau Martinez, die mit mir 1979 zur Messe nach Spanien gefahren war. Für Rolf Ludl war dies Ulrike Meerkamp und für Dieter Rietfort war es Gisela Wild, die etwas älter war als die beiden anderen. 

 

 

Unter der neuen Geschäftsführung begann für das Unternehmen eine erfolgreiche Zeit. Der Umsatz verdoppelte sich in den Jahren 1982 bis 1987 auf nahezu 30 Mio. DM. Auch die Rendite stimmte, ebenso die Investitionsquote. Das Dreigestirn der Geschäftsführung arbeitete also äußerst erfolgreich, sowohl im Inland als auch im Ausland. Die Exportumsätze stiegen von 1,9 Mio. DM in 1979 auf über 9 Mio. DM Umsatz in 1987, dies waren durchschnittliche jährliche Steigerungsraten von 30%. Auch das Betriebsklima insgesamt war sehr angenehm, ich schilderte bereits, dass man mit den Veranstaltungen gar nicht mehr nachkam. Die Karnevalsfeier wurde mit zunehmender Größe des Unternehmens jetzt im Saaltheater Geulen in Eilendorf geplant. Dies hatte Frau Kremer organisiert, eine Mitarbeiterin von Rolf Ludl. Sie verstand es auch, zwischendurch Feste zu veranstalten, entweder in ihrem Partykeller oder in Lokalen in der Nähe. So war es nicht verwunderlich, dass sich auch die eine oder andere zwischenmenschliche Beziehung konkretisierte. So heiratete Rolf Ludl 1984, nach der Scheidung von seiner Frau, mit der er in Mützenich wohnte, seine eigene Sekretärin Ulrike Meerkamp. 

 

Neben diesen eher privaten Veranstaltungen gab es natürlich auch die Außendiensttagungen, insbesondere die Jahrestagung im Januar. Diese fand zunächst im Novotel am Europaplatz statt, später auch im Hotel Aquisgrana. Die Festessen waren meist in altehrwürdigen Gasthäusern in Aachen, so zum Beispiel auch im Brunnenhof in Walheim. Es war mir gelungen, das Vertrauen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Außendienst zu gewinnen, darunter waren ja einige langjährige Mitarbeiter, von denen ich eigentlich nur lernen konnte.  Bei Rolf Ludl war dies etwas anders. Seine Planungen fanden nicht immer die Gegenliebe des Außendienstes und die Entlohnungssysteme standen auch ständig in der Kritik. Personelle Entscheidungen fielen mir nicht leicht, es lag wohl auch daran, dass sich die Geschäftsführung mit gewagten Planzahlen, in der Unternehmensplanung von Rolf Ludl vorgegeben, selbst unter Druck setzte. Der Außendienst in Deutschland wurde geleitet von drei Herren, die in Hamburg, Bergisch-Gladbach und in München zu Hause waren, die Herren Krüger, Bock und Kriener. Ihnen unterstanden jeweils sechs Vertreter und zwei Reisekosmetikerinnen. Mit wenigen Veränderungen sollte dieses Team einige Jahre gemeinsam bei Babor verbringen.

 

In meinem Geschäftsführungsbereich Marketing & Vertrieb gab es für einige Jahre auch personell eine konstante Entwicklung. Im Schulungsbereich für Deutschland arbeitete zunächst für kurze Zeit Frau Priembs, dann für zwei Jahre Ingrid Cronauer. Sie hat das Unternehmen allerdings danach verlassen und leitete die Schönheitsfarm in Bad Driburg. Für sie kam Frau Bangemann, die lange Jahre die Schulungen in Aachen durchführte. Im Export stand mir als Schulungsleiterin  Margot Stolzenberg zur Verfügung. Sie war mit einem Diplomaten verheiratet gewesen, schon durch die ganze Welt gereist und sprach auch einige Sprachen zumindest so gut, dass sie ihr Wissen erfolgreich vermitteln konnte. Die Reisetätigkeiten waren ja für Mitarbeiterinnen nicht ganz einfach, besonders im Ausland gab es immer Überraschungen. Und es war stets eine intensive Reisetätigkeit. In Erinnerung habe ich ebenfalls dass die Aachener Visagistin Malu Wilz sich bewarb um für Babor Schminkseminare durchzuführen, auch im Ausland. Frau Grablowitz stand dem entgegen, was ich sehr bedauerte. Malu hat dann in meinem Auftrag einmal ein Seminar in Taiwan und ein weiteres in den USA durchgeführt, nachdem sie aber in Deutschland nicht in Aktion treten konnte, hat sie sich dann der Marke ARTDECO zugewendet, für die sie über dreißig Jahre im deutschen Markt aktiv war. 

 

 

1983

 

Im Januar 1983 fand zum ersten Mal die Außendiensttagung unter neuer Geschäftsführung statt, sie wurde im Novotel abgehalten und mit einem Galaessen im Brunnenhof in Walheim beendet. Herr Ludl hatte somit die gesamte, neue Mannschaft nach Aachen eingeladen und zusammengeführt, sowohl die Vertreter als auch die Reisekosmetikerinnen und Schulungsreferentinnen.

 

Als noch Exportleiter besuchte ich im März 1983 erneut die Vereinigten Staaten, diesmal mit Dieter Rietfort. Wir besuchten neben dem Unternehmen in Minneapolis auch ein Distributor-Meeting in French Lick Springs (Indiana). Es war Karin Swingle gelungen, weitere Distributoren an Land zu ziehen. Dies waren zunächst die Familie von Kay und Paul Acuazzo mit ihren Töchtern, die in Philadelphia zu Hause waren. In Texas gab es schon seit zwei Jahren Ed Beck, der mit Jutta Beck verheiratet war, sie ebenfalls deutschstämmig, aber schon lange Jahre in den Staaten lebend. Im Westen der USA waren Dagmar und Jim Paquin aktiv, sie waren in South Carolina zu Hause. Weitere kleinere Distributoren waren noch Wilma aus Alaska, Emmy aus Kentucky und vor allen Dingen Marta Elortegui aus Miami, eine Exilkubanerin, deren Mann auch wohlhabend war und seine Frau sehr unterstützte. Ein Jahr später kam auch noch eine bildhübsche Hawaiianerin hinzu, die in Deutschland gelebt hatte und nun in Honolulu zu Hause war. Im Folgejahr kamen auch Ron und Norma Varndell aus Dublin bei San Francisco mit an Bord, die an Stelle von Eva Nestore getreten waren. Ende 1984 gab Eva Nestore auf, zu groß waren ihre Querelen mit Karin Swingle. Norma war Mitarbeiterin von Eva gewesen und konnte so die Kunden übernehmen. Ebenfalls im Folgejahr war da noch Carin Haugg, eine Kosmetikerin aus der Gegend von Stuttgart, ich glaube Filberstadt, die mich als Geschäftsführer gefragt hatte, ob ich sie nicht in Kalifornien zu Schulungszwecken einsetzen konnte. Ich hatte das dann organisiert und Carin Haugg nutzte die Gelegenheit ihres Aufenthalts in den USA, um sich dort einen Amerikaner zu angeln. Er war durchaus wohlhabend, die beiden heirateten, und Carin blieb als Distributor in Santa Monica.

 

Schon ab 1983 begann ich allerdings begonnen, meine Fühler nach den drei größten Märkten Europas auszustrecken, und zwar nach Frankreich, Italien und England. In Frankreich hatte ich dank der Unterstützung von Frau Gallant aus Belgien, die ja fließend Französisch sprach, schon 1981 eine Vorführung an einer der größten Kosmetikschulen in Paris organisiert. Auch versuchte ich anzudocken über die Zeitschrift „Les Nouvelles Esthétiques“, die damals noch von Umbert de Pierantoni geleitet wurde, einer Koryphäe der professionellen Kosmetik weltweit. Die Zeitschrift organisiert die Messe in Versailles. Zunächst waren die Herren Depkat und Höhne 1981 mit mir dorthin gereist. Geschäfte kamen bei all diesen Versuchen zunächst nicht zustande, jedoch zeichnete sich ab, dass man den einen oder anderen Geschäftskontakt wohl würde ausbauen können. 

 

So begegnete ich in  Frankreich zunächst Herrn Lemoine, der 1983 auf der Messe ausstellte. Ich hatte der Messe erneut einen Besuch abgestattet, aber die Geschäftsverbindung mit Herrn Lemoine, der eigentlich ein sehr gutes Team hatte, konnte sich mangels Geld nicht entwickeln. Deshalb kam es dann zu einer Verbindung zu Madame Lemaire, die mit ihrem Mann ein Vertriebsbüro errichtete in der Peripherie von Paris. Sie nahm ein Jahr später am „Congrès des Nouvelles Esthétiques“ in Versailles teil.

 

Weiter reiste ich nach Italien, wo ich in Mailand Herrn Marchesini traf, der dort die französische Konkurrenzmarke Phytomer vertrieb und sein Hauptgeschäft wohl mit Solarien tätigte. Die Firma nannte sich auch Solaria s.r.l. Er nahm schrittweise die Produkte von Babor auf und beklagte fortwährend, dass wir keine richtige Körperpflege im Sortiment hätten. Es ist richtig beobachtet, wenn man feststellt, das Körperpflege-Präparate oder Schlankheitsanwendungen in Westeuropa oder in Nordeuropa noch keine große Rolle spielten, im Vergleich zu den Mittelmeerländern wie Spanien, Frankreich, Italien oder Griechenland.

 

Ich begab mich auch nach England. Hier gab es einen Kongress in Brighton, wo ich Miss Woodiwiss traf. Sie war finanziell nicht besonders gut ausgestattet, mangels Alternative versuchten wir jedoch mit ihr ein zartes Pflänzchen zur Entfaltung zu bringen. Sie war „very british“, auch sehr humorvoll und letztendlich vertrat sie über ein Jahrzehnt die Marke Babor im Vereinigten Königreich. Der Erfolg hielt sich allerdings zu meiner Zeit in Grenzen.

 

Nicht weniger schwierig war es natürlich in Osteuropa, damals nahezu noch unerreichbar, da alles der kommunistischen Planwirtschaft unterstand. Trotzdem hatte ich Verbindungen aufgenommen zu verschiedenen Einrichtungen und Institutionen in Polen, in Ungarn und in Jugoslawien. Erst mit etwas Abstand kam es in Polen zu einer durchaus interessanten Geschäftsbeziehung.

 

Im Juni des Jahres hatte ich für unsere skandinavischen Freunde ein internationales Marketing-Treffen in Kopenhagen organisiert. In Dänemark war inzwischen Colette Brix zur ehrgeizigen Vertreterin aufgestiegen, sie hatte ja das Geschäft von Herrn und Frau Rütsch übernommen. Die beiden nahmen auch noch an diesem Treffen teil. Ebenfalls mit von der Partie waren Herr und  Frau Esbjerg aus Schweden sowie Tore Tjostolvsen aus Norwegen, mit seinem  Sohn, der inzwischen auch ins Geschäft eingestiegen war. Finnland war wie immer durch Herrn Facius vertreten. 

 

Frau Brix aus Kopenhagen organisierte ein Seminar mit ihren Kundinnen, wir von Seiten Babor hatten einige neue Sortimente vorgestellt. Begleitet wurde ich von Herrn Grouls, der neu im Hause war und für die Organisation des Seminarwesens und deren Inhalte zuständig war.

 

Frau Esbjerg in Stockholm war die schulende Kosmetikerin und ihr Mann führte den Vertrieb und die Verwaltung der Vertretung. Der Import nach Schweden war sehr schwierig wegen der hohen Steuern. Auch die Preise waren unfassbar hoch. Als ich nach Stockholm reiste, wurde mir vor Augen geführt, dass ein Bier mindestens 8 DM kostete. Schweden und Finnland wurden beide erst 1995 Mitglied der Europäischen Gemeinschaft, Dänemark war dies immerhin schon seit 1973, und trotzdem waren auch dort die Preise und die Steuern sehr hoch. 

 

Nicht anders war es in Norwegen, dem Land, das ja bekanntlich nie Mitglied der EU wurde. Tore Tjostolvsen kam ebenfalls aus dem Frisörgroßhandel, aber er baute sein Geschäft in wenigen Jahren zum wohl größten Kosmetikvertrieb im ganzen Land aus. Er war auch stets bei allen Veranstaltungen dabei, so hatte er recht früh mit einer Gruppe Kosmetikerinnen unser Schulungszentrum in Aachen besucht. Tore besuchte als unser Gast die Kosmetikmessen in Baden-Baden, in Wiesbaden und später auch in Düsseldorf. Auf meiner Reise nach Stavanger lernte ich das Land natürlich nicht kennen, später sollte ich noch einmal nach Oslo reisen, aber von der wunderschönen Landschaft konnte ich nicht allzu viel genießen. Dies war in Finnland schon etwas anders, denn ich reiste regelmäßig dorthin was vor allen Dingen an der Bedeutung dieses Kunden lag. In 1983 hatte ich allerdings Finnland nicht besucht.

 

Nachdem ich im Frühjahr bereits die USA besuchte, reiste ich auch im Oktober noch einmal über Minneapolis nach Maplewood und nach Kanada zu Yves Durette. Dies war inzwischen schon eine Routine geworden. In den USA zeichnete sich allerdings eine etwas unglückliche Entwicklung ab. Trotz guter Geschäfte konnte Karin Swingle unsere Rechnungen nicht bezahlen und die Außenstände bzw. ihre Verbindlichkeiten nahmen immer größere Ausmaße an. Diese lagen zeitweise über eine Million DM, was die Hälfte des Umsatzes ausmachte. Deshalb begann es in der Beziehung zu knistern, denn die Gesellschafter wollten das Geschäft nicht alleine finanzieren, ohne das Sagen zu haben. Entsprechende konkrete Verhandlungen begannen im Folgejahr. Das Geschäftsjahr insgesamt war ansonsten sehr erfolgreich verlaufen, sowohl im Inland als auch im Ausland.

 

 

1984

 

Offensichtlich merkten meine Kollegen in der Geschäftsführung, dass ich auch jetzt im zweiten Jahr meiner Funktion als Geschäftsführer eigentlich noch sehr viel im Ausland unterwegs war, also noch immer die Tätigkeit eines Exportleiters ausübte. Deshalb sollte ich einen Manager für den Export suchen. Zunächst hatte für eine kurze Zeit der Vertriebsleiter Deutschland, Walter Ostlender, die Funktion übernommen, er fühlte sich allerdings mit dieser Aufgabe nicht wohl. Wir fanden dann auf Anzeige mehrere Kandidaten und entschieden uns für Rolf Breuer aus Eschweiler, der lange Jahre für Grünenthal in verschiedenen Märkten, aber vor allem in Ecuador gearbeitet hatte. Ich begann unverzüglich ihn unseren Kunden vorzustellen und reiste bereits im Oktober mit ihm nach Singapur und Malaysia. 

 

Die erste Geschäftsreise des Jahres führte mich allerdings im Februar/März erneut in die USA. Aufgrund der hohen Außenstände hatten Geschäftsführung und Aufsichtsrat intern beraten, dass wir die Firma von Karin Swingle zu 51% übernehmen sollten und somit kam es zur Gründung der Dr. Babor Natural Cosmetics. Diese Firma gehörte im Schachtelprinzip der Babor Cosmetics, Inc., an der die drei Geschäftsführer in Aachen je 10% Anteile hielten. Die übrigen Anteile gehörten Karin Swingle und der Vossen & Beck.  Karin Swingle befand sich nun auf den Höhepunkt Ihrer Karriere. Dieter Rietfort und ich wurden zu einem Kurzurlaub eingeladen auf die Bahamas. Karin hatte wohl als Dank für die gute Zusammenarbeit einige Tage Erholung für uns alle gebucht. Wir flogen über Miami dorthin und verbrachten einige entspannten Tage in einer ansonsten eher unspektakulären Welt, zumindest empfand ich es so. 

 

Vom 25. März bis zum 1. April reiste ich ein zweites Mal nach Südafrika, dieses Mal ohne Elka. Mein Besuch galt der Firma „House of Galia“, die das Geschäft des Ehepaar Sharpe übernommen hatte. Die Veranstaltungen waren sehr professionell und exklusiv organisiert, von meinen beiden Kontaktpersonen hatten zwei gerade in Aachen ein Seminar absolviert. In Kapstadt traf ich auch Miss Fowler, die später Präsidentin des CIDESCO South Africa werden sollte. Das Land wurde bekanntlich unter der rassistischen Apartheidsideologie regiert, das Kosmetikgeschäft war ausschließlich eine Domäne der Weißen. Hauptorganisator der Veranstaltung war Melanie. Ihre Freundin, deren Name ich vergessen habe, hatte auf einem Seminar in Aachen einen „Öcher“ kennengelernt und die beiden wollten heiraten. Später habe ich erfahren, dass sie bei einem Autounfall ums Leben gekommen sei. Melanie hatte mir einen  großen Empfang bereitet und ich hatte auch Gelegenheit, vor allen Dingen in und um Johannesburg Kosmetikinstitute zu besuchen. Ich traf Melanie noch einmal Jahre später, genau gesagt in 1999 auf der Kosmetikmesse „Beauty Africa“ in Johannesburg. Ich stellte dort meine eigene Marke aus. In Südafrika entwickelten sich die Umsätze zwar positiv, ohne allerdings eine bedeutende Größe zu erreichen. Die Einfuhrbestimmungen waren zu restriktiv.

 

Im Mai 1984 flog ich erneut in die Vereinigten Staaten. Anlass war diesmal auch ein Treffen der Distributoren, denn es gab doch hin und wieder Spannungen zwischen Karin und den Vertretern. Im Vertriebsnetz hatte Karin eine Vertreterin für die Ostküste hinzu gewinnen können, und zwar Sina von Eisenstein in New York. Sina hatte mein Alter, sprach auch deutsch, sie stammte ursprünglich aus Transsylvanien. Das „von“ im Namen bezog sich wohl auf den dortigen Landadel. Sie war sehr tüchtig und brachte Schwung in die Geschäftsentwicklung in New York. 

 

Im September 1984 besuchte ich die Vertretung in Helsinki, denn der Markt entwickelte sich sehr gut und ich hatte Herrn Facius, meinem Gesprächspartner bei ERI OY, davon überzeugt, alle Kosmetikerinnen Finnlands einzuladen, um vor allen Dingen jetzt auch unsere Pflegeprodukte nach vorne zu stellen. Die Veranstaltung war ein großer Erfolg, denn über 150 Kosmetikerinnen aus ganz Finnland, von Lappland bis Helsinki, kamen zu der zweitägigen Veranstaltung. Neben Vorführungen und Demos hielt ich einen Marketingvortrag und die Gala-Veranstaltung war sowohl für die Firma ERI OY als auch für die Teilnehmer ein unvergessliches Erlebnis. Besonders war aber auch, dass ich mir wieder ein Visum besorgt hatte, diesmal für Tallinn in Estland. Mit der „Georg Ots“, dem Fährschiff, ging es von Helsinki aus dorthin und Nikolai Bulgakow, den ich vorher wieder angeschrieben hatte, führte mich zu einem Pärchen, welches auch in der Schriftsteller-Szene tätig war, nämlich zu Ilja und Karju Kass. Sie war Kinderbuchautorin und es entstand zu den beiden ein neuer privater Kontakt. 

 

Im Oktober begab ich mich, diesmal mit Herrn Breuer, nach Singapur und Malaysia, denn ich wollte ihn dort bei einigen Kunden vorstellen und einführen. Diese beiden Länder, aber auch Hong Kong und Taiwan entwickelten sich stetig und gut und trugen in immer stärkerem Maße zum wachsenden Umsatz des Unternehmens bei. In Singapur besuchte ich Jenny Wong, die auch für den Markt in Malaysia zuständig war. Von Singapur flog ich alleine weiter nach Australien, Herr Breuer besuchte K.K. Lau in Hong Kong

 

In Australien hatten die Leschmanns nach nur zwei Jahren das Handtuch geworfen. In Aachen meldete sich eine sehr dynamische Dame, die den Vertrieb übernehmen wollte. Es war dies Nita Bown aus Sydney, die schon lange Jahre in der professionellen Kosmetik tätig war. Ihre Tochter, die eine eigene Management-Karriere durchexerzierte, hatte zuvor Nita in Aachen eingeführt und sie wollte ihre Mutter bei dieser neuen Aufgabe unterstützen. Auch Nitas Sohn, eher ein Aussteigertyp, gedachte in das Geschäft mit einzusteigen. Nach dem Besuch in Aachen hatte Nita begonnen, den Vertrieb systematisch aufzubauen.  Ich flog nun von Singapur nach Sydney wo die Familie und viele Freunde und Geschäftspartner mir in jeder Beziehung einen freundlichen und spektakulären Empfang bereiteten. Die Geschäftsentwicklung nahm in den nächsten Monaten einen positiven Verlauf. 

 

Schließlich musste ich im November erneut in die USA und auch nach Kanada. In den USA galt es, die Verhandlungen mit Karin Swingle einzuleiten, um sie zu einem Ausstieg aus der Firma zu bewegen. Karin stand wegen der Finanzen immer mehr unter Druck und die Gesellschafter von Vossen & Beck waren auch nach der Beteiligung nicht bereit, die ganze Last zu tragen. Es entstand der Eindruck, dass sich Karin Swingle ein schönes Leben auf Kosten der Vossens leistete. Die Rechnungen wurden nur teilweise bezahlt, die Außenstände waren immer sehr hoch.

 

Deshalb wollten die Gesellschafter Karin Swingle`s Anteile ganz übernehmen und einen neuen Geschäftsführer bestellen. Diesmal kam Karin nach Aachen für die Verhandlungen, die im August begannen. Es war auch das letzte Mal das die Distributorin von San Francisco, Eva Nestore, zu einem Seminar in Aachen war, denn sie beschloss danach, die Marke Babor aufzugeben. Die Vertretung in Kalifornien wurde übernommen von einer ihrer Mitarbeiterinnen, Norma Varndell. 

 

Es war offensichtlich, dass sie sich Karin Swingle mit Händen und Füßen gegen eine Übernahme wehren würde. Wir hatten einen Rechtsberater ausgesucht, der auch ausgesprochen hart verhandelte, James Williams. Er entwarf schon die ersten Verträge ausgearbeitet, als es noch um die Partnerschaft ging, aber jetzt sollte es noch schlimmer kommen. Einerseits tat mir Karin Swingle leid, andererseits konnte ich auch nicht genau erfassen, warum die Liquiditätsprobleme nicht in den Griff zu bekommen waren. Die schwankenden Wechselkurse zwischen Dollar und deutscher Mark sorgten permanent für zusätzliche Verluste, aber daran war Karin natürlich nicht schuld. Jedenfalls wurde der Vertrag im Folgejahr unterzeichnet und das Kapitel Karin Swingle war damit für Babor Geschichte. 

 

In Aachen hatten wir schon einen neuen Geschäftsführer gefunden, es war Klaus Zimmermann, ein ehemaliger Kollege von Dieter Rietfort aus der Zeit als die beiden noch in Teheran für Grünenthal arbeiteten. Von Minneapolis-St. Paul flogen Dieter Rietfort und ich zunächst nach Montreal zum Besuch von „Les Importations YTD Ltée“ mit Yves und Louise Durette, und von dort nach Hause zurück 

 

Bei den großen Partnern in Europa überschlugen sich derweil, wie aus heiterem Himmel, die Ereignisse. 

 

In der Schweiz war es zu einem tragischen Vorfall gekommen. Völlig überraschend teilte uns Frau Sutter mit, dass sich ihr Mann Uli Sutter im Keller ihres Hauses das Leben genommen hatte und zwar mit der Dienstwaffe der Armee. Sie war von heute auf morgen auf sich alleine gestellt, und ich versuchte, ihr eine Stütze zu sein, so gut dies von Deutschland aus möglich war. Rasch sah sie ein, dass sie neue Partner suchen musste und dachte daran, das Geschäft zu veräußern. Zum Jahresende fand Frau Sutter einen Käufer für ihren Vertrieb, das Ehepaar Sütterlin. Nach einer gemeinsamen Übergangszeit, in der sich die beiden mit Unterstützung von Frau Sutter in die professionelle Kosmetik einarbeiteten, konnten sie den Vertrieb im Folgejahr dann übernehmen. Frau Sütterlin machte auch zunächst noch eine  Ausbildung zur Kosmetikerin, bis dahin halfen sich beide Seiten gegenseitig. In den Niederlanden ließ sich Herr van Dreven von seiner Frau scheiden und heiratete eine viel jüngere Büroangestellte. Die Firma Cosba Nederland B.V. blieb allerdings zunächst noch unverändert bestehen.

 

In anderen großen Ländern in Europa war es mir gelungen, im Laufe des Jahres zaghafte neue Geschäftsbeziehung aufzubauen, so zum Beispiel in Mailand mit der Firma Solaria s.r.l., die Herrn Marchesini und seiner Frau gehörte. Mit ihm verstand ich mich recht gut und er traf die Entscheidung, den Vertrieb von Babor Cosmetics in Italien zu übernehmen. Er selbst hatte ursprünglich seinen Schwerpunkt im Bereich von Solarien und Körperpflege. Deshalb bedauerte er sehr, dass Körperpflege bei Babor eine nicht so große Rolle spielte. Dies war der Tatsache geschuldet, dass die Nachfrage für Körperpflege im deutschen Markt gering war. Schon damals war dies in Italien und anderen Mittelmeeranrainern anders. Solaria musste sich also mit der Gesichtspflege begnügen. Auch vertrieben wir keine Geräte für kosmetische Anwendungen, die sogenannte apparative Kosmetik, was in diesem Markt sicher ein Nachteil war. 

 

In Polen entstand ein Kontakt zu einer Kosmetikerin aus Breslau, und zwar Janina Skorczynska. Sie war bereits mehrmals in Aachen gewesen und sie wollte unsere Produkte in Polen vertreiben. So wie in den vergangenen Jahren wurden auch in 1983 und 1984 regelmäßig und verstärkt Kundenseminare in Aachen abgehalten, zunächst im Schulungszentrum im Erdgeschoss, ab 1984 aber im neuen Schulungszentrum im 2. Obergeschoss. In Deutschland hatten wir eine neue Chefkosmetikerin eingestellt, Frau Ilse Bangemann. Ihre Vorgängerin Frau Cronauer hatte das Unternehmen verlassen. Es wurde nun eine Tradition, dass alle Neukunden zur Einschulung für fünf Tage nach Aachen kommen mussten. Hierfür hatte es eine Erweiterung des Firmengebäudes gegeben. Auf die beiden bestehenden Geschosse wurde ein drittes aufgesetzt. Dieses zweite Obergeschoss diente nun als Schulungszentrum. Die Schulung von 5 Tagen für alle Neukunden war ein großes Plus für Babor, auch im Vergleich zum Wettbewerb. In diesen Jahren gelang es dem Außendienst nämlich, pro Jahr mehr als 300 neue Kunden zu gewinnen. Diese wurden fast alle in Aachen geschult. Zwar gingen auch jährlich über 200 Kunden verloren, aus unterschiedlichen Gründen, insgesamt jedoch war die Zahl der Kunden steigend und bewegte sich langsam bis 1987 auf 2.500 zu. 

 

Bei Eröffnung des neuen Schulungszentrums wurde auch die Gesellschafterin, Frau Jutta Grablowitz, geborene Vossen, verstärkt im Betrieb tätig. Sie war zunächst nur gelegentlich zur Stelle, übernahm aber später die Leitung der Schulungsabteilung und war deshalb nicht nur mit der Planung der Seminare beschäftigt, sondern auch mit deren Organisation. Frau Grablowitz hatte sich auch maßgeblich an der Gestaltung des neuen Schulungszentrums beteiligt. Aber auch viele internationale Seminare wurden in Aachen abgehalten. Es waren vor allem Gäste aus den USA, die uns häufiger besuchten, aber auch aus anderen Ländern, vor allen Dingen natürlich aus Europa, aber auch vereinzelt aus Asien. 

 

Im Dezember besuchte ich auch noch einmal nach längerer Zeit unseren spanischen Vertreter Julma Cosmetics in Madrid. Zuvor hatten wir uns häufiger in Aachen getroffen oder anlässlich von Messen und internationalen Meetings. Bei diesem Besuch besichtigten wir auch das Mausoleum von Franco in der Nähe von Madrid. Bis dahin hatte ich nicht gewusst, dass es so etwas in Spanien gab. Ein schauriger Ort, der auch heute noch nicht an Popularität verloren hat.

 

1985

 

Schon im Januar 1985 besuchte ich mit Janina Skorczynska das Gesundheitsministerium in Warschau, um die Registrierung der Produkte zu erreichen und somit den Import nach Polen zu ermöglichen. Unter dem Strich ist uns dies gelungen, denn schon bald nach diesem Aufenthalt kam es zu ersten Bestellungen, die wir nach Breslau lieferten an ihren Stützpunkt im Zentrum der Stadt. 

 

Es war dies der Beginn einer langen Freundschaft mit Janina Skorczynska. Die Freundschaft hielt bis weit in das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts, denn auch später sahen wir uns gelegentlich auf Messen und Kongressveranstaltungen in Polen. Das war die Zeit, als ich schon selbstständig war und Janina etwas unzufrieden mit der Zusammenarbeit mit Babor schien, aber doch wirtschaftlich ganz von dem Unternehmen abhing. Sowohl Janina als auch ihr Mann sprachen Deutsch. Dieser Kunde war für Babor der erste im Ostblock und in diesem kleinen Betrieb sollte sich in den kommenden Jahren die gesamte Familie engagieren. Dies waren neben den Eltern die beiden Kinder, Tochter Bozena und Sohn Jan. So wurde aus dieser Beziehung, auch unter schwierigen Bedingungen, bald eine gute Geschäftsbeziehung. Meist holte man die Ware in Aachen mit einem PKW der Marke Skoda ab. Einige Monate später, im Laufe des Jahres 1985, konnten wir auch eine erste Sendung per Spedition auf den Weg bringen.

 

Im Frühjahr 1985 waren drei Reisen in die USA notwendig um Karin Swingle abzulösen und Klaus Zimmermann in seine neue Tätigkeit einzuführen, im Februar, im März und im April. Im Februar war Dieter Rietfort mit dabei, es begannen die konkreten Verhandlungen, um die Anteile von Karin Swingle zu übernehmen. Als Dieter Rietfort und ich anreisten, eröffnete uns Frau Swingle, dass sie ihren Buchhalter, CPA Larry Nelson geheiratet hatte. Sie hieß also jetzt Nelson. Larry war ein ruhiger Zeitgenosse, den wir seit einigen Jahren kannten. Die ganze Entwicklung kam aber doch für uns etwas überraschend. Es wurde mehrere Tage verhandelt, auch in einer jetzt nicht mehr entspannten Atmosphäre. Am Ende waren die Verträge allerdings in trockenen Tüchern, das Kapitel Karin Swingle, jetzt Karin Nelson, welches 1979 begonnen hatten, war nach sechs Jahren zu Ende. Bei Abschluss der Verträge sprang ich mit Dieter Rietfort buchstäblich in letzter Minute vom Büro unseres Rechtsanwalts James ins Flugzeug, der Vertrag war unter Dach und Fach. Mir war bewusst dass vielleicht James Williams, der Anwalt, die Vertragsverhandlungen bewusst in die Länge gezogen hatte. Er sollte noch in den Folgejahren eine gewisse Rolle spielen bei Babor Cosmetics USA, was aber unrühmlich von statten ging. Zu dieser Zeit war ich nicht mehr bei Babor beschäftigt.

 

Im April reiste ich nochmal zu Klaus Zimmermann. Er war inzwischen von Fort Lauderdale nach St. Paul gezogen und hatte die Geschäftsführung jetzt offiziell übernommen, als neuer CEO von Babor Cosmetics. Ich besuchte mit ihm die Accuazzos in Philadelphia. Diese Vertretung hatte sich schon nach kurzer Zeit mit Klaus überworfen und ich versuchte die Wogen zu glätten. Das Besondere für die drei Geschäftsführer in Aachen war, dass wir eine Beteiligung an dem  Unternehmen in den USA erhielten, ich meine, es waren jeweils 10 %. Die restlichen Anteile hielt die Vossen & Beck.

 

In meiner Eigenschaft als Geschäftsführer Marketing & Vertrieb hatte ich wirklich sehr viele Aufgaben wahrzunehmen, sie  füllten den Alltag mehr als aus. Darüber hinaus trugen meine frühen Erfolge im Export und die vielen persönlichen Kontakte wohl dazu bei, dem Exportgeschäft stets verbunden zu bleiben. Dies zeigte sich auch nach der Einstellung von Herrn Breuer. Es stellte sich recht schnell heraus, dass er diese persönlichen Verbindungen nicht so einfach weiterführen konnte. Deshalb liefen noch viele Gespräche und selbst neue Kontakte über meinen Schreibtisch. 

 

Es war mir gelungen, unter erschwerten Bedingungen,  weitere erfolgreiche Geschäftsbeziehungen aufzubauen, so zum Beispiel zu Janina Skorczynska nach Breslau, zu Helia D nach Ungarn und zu Ida Ryogokudo nach Tokyo. Über Polen habe ich bereits berichtet, in Ungarn kam ich jedoch nicht so schnell voran. Meine Anstrengungen in Frankreich trugen nun auch erste, bescheidene Früchte. Auch hier gelang es mir, eine Kosmetikerin an Land zu ziehen, die selbst Schulungen in Paris durchführte, Madame Lemaire. Ihr Lebensgefährte arbeitete im Geschäft mit, aber nicht sehr erfolgreich. Die Worte waren größer als die Taten. Wir stellten jedoch auf dem „Congrès des Nouvelles Esthétiques“ in Versailles aus. Der Kongress fand jahrelang in Zelten statt, die vor dem Schloss von Versailles aufgebaut waren und so dem Kongress eine Art Bazar-Atmosphäre verliehen. Es kam aber doch in Folge zu bescheidenen Aufträgen, so dass wir mit Fug und Recht behaupten konnten, in Frankreich einen Fuß in der Türe zu haben. Bemerkenswert war auch, dass die Schülerinnen einer Kosmetikschule aus Lille uns in Aachen besuchten, eine solche Fahrt war ja über die teilweise neue Autobahn in kurzer Zeit als Tagestour durchaus möglich. Auch in England zeigten meine vielfältigen Kontakte bald bescheidene Erfolge. Zunächst hatte ich  Kontakt zu der Zeitschrift „Health & Beauty“ aufgenommen, wo ich eine ältere Dame kennenlernte, die ich über Jahre hinweg immer wiederfand, Miss Marion Mathews. Ich platzierte einige Anzeigen und sie half mir bei der Suche nach einem Distributor. So fand ich  zwei junge Burschen in Essex, die sich zunächst stark engagierten, am Ende aber doch nicht zu einer Entscheidung kamen. Schließlich wurde ich mit Miss Woodiwiss fündig, die bald in London eine bescheidene Distribution aufbaute und somit auch im Vereinigten Königreich einen ersten kleinen Grundstein legte. Ein bescheidenes Ziel hatte ich jetzt erreicht: Wir waren in den großen Märkten Europas zumindest präsent, in England, in Frankreich und in Italien. Konkurrenzmarken waren zu dieser Zeit nur die französischen Marken, aber ganz andere als jene, die wir heute kennen. Ich muss Dr. Renaud nennen und Jean d`Estrée, die beide heute nicht mehr zu den führenden Marken in Frankreich gehören. Aber sowohl in Italien als auch in England, ebenso wie in den USA übrigens, war auf internationalem Feld noch kein Konkurrent gewachsen, außer vielleicht Guinot und Sothys. Das sollte noch eine Weile dauern.  

 

Im Mutterhaus selbst spielte natürlich der deutsche Markt nach wie vor die größte Rolle. Auch hier kam die Ausweitung sehr gut voran, das Team gewann immer neue Kunden hinzu und auch das Sortiment wurde stetig ausgebaut. Es hatte einen Verpackungsrelaunch gegeben, der aber auch mit neuen Rezepturen verbunden war.  An den Innovationen war nun Dr. Sacher beteiligt. Vielleicht war er auch nicht ganz glücklich, als die Geschäftsführung in 1985 entschied, eine Wirkstoff-Innovation eines Professors aus Regensburg zu vermarkten. Die Innovation war ein Aktiv-Wirkstoff auf Basis von Harnstoff. Wir nannten diese Serie High Skin Refiner und es wurde die Luxusserie von Babor Cosmetics, in den Folgejahren allerdings nur noch als Marke. Im Laufe der Einführung dieser Serie gab es mehrere Präsentationstermine, in Deutschland natürlich mit dem ganzen Außendienst, international bei Meetings im kleinen Kreis einiger Länder. Nun versuchten wir auch der Sprachen wegen zwei oder drei Veranstaltungen zu organisieren. Die westeuropäischen Kunden trafen sich meist in Aachen, wo neben den traditionellen Teilnehmern aus Belgien, Holland, der Schweiz und Österreich in einer getrennten Veranstaltung auch Spanien, Frankreich und Italien hinzukamen. Die skandinavische Veranstaltung versammelte hingegen die nordischen Länder. Die anderweitig verstreuten Kunden überall auf der Welt oder in Asien wurden meist über Einzelbesuche informiert. 

 

In den USA wurden die Distributoren durch ein eigenes Meeting über unsere neuen  Marketingaktivitäten auf dem Laufenden gehalten. High Skin Refiner, die Luxusserie, war ein Erfolg, wenngleich wir erstmals mit mehr Hautirritationen zu tun hatten als sonst üblich. Die Fehler wurden aber durch eigene Entwicklungen und eigene Wirkstoffe ausgemerzt, der Serienname blieb jedoch erhalten. 

 

Nach Ungarn hatte ich versucht, ähnlich wie nach Polen, einen Kontakt aufzubauen. So reiste ich im Juli zum ersten Mal nach Budapest. Ich nutzte die Gelegenheit um privat ein Konto bei einer ungarischen Bank einzurichten, denn zu dieser Zeit gab es in Ungarn sehr hohe Zinsen auf Guthaben. Die Firma Helia D war in Debrecen, im Osten des Landes angesiedelt, hatte allerdings in Budapest ein Vertriebsbüro. Meine Kontaktperson in Budapest war Beatrix Kocsis. Elka und ich wir würden sie noch einmal treffen und zwar anlässlich unseres Urlaubs am Plattensee in 1988. Zehn Jahre später, 1998 traf ich Beatrix auf der Beauty Hungary in Budapest erneut, wo ich damals selbst Aussteller für meine eigene Marke war.

 

Nach Finnland ging es erneut im August 1985, wobei ich hier einige Tage als Tourist an meinen Geschäftsbesuch angedockt hatte. Ich besuchte die Seenlandschaft nördlich von Helsinki und die Stadt Poorvo östlich von Helsinki. 

 

Eine längere Reise brachte mich im Oktober 1985 nach Korea und nach Taiwan. Das Wachstum in diesen beiden Märkten war beträchtlich. In Taiwan war der Vertreter James Wu von Beautec nun schon im dritten Jahr aktiv und er baute seine Distribution von Jahr zu Jahr weiter aus. Taiwan war ein sehr offener Markt und eine boomende Volkswirtschaft. Die Firma in Seoul hieß Paulus und die Eigentümer stammten aus der katholischen Minderheit des Landes. Die Entwicklung und das Wachstum in Korea waren beeindruckend, auch bereitete das Land sich auf die olympischen Spiele in Seoul 1988 vor.

 

Dass ich trotz meiner Funktion als Geschäftsführer doch sehr viel auf Reisen war, stellte sicher auch eine Belastung zu Hause für meine Familie dar. Da der Umsatz von Babor sich stetig ausweitete, sowohl im Inland wie im Ausland, schien diese Reisetätigkeit hingegen für die Gesellschafter und auch für meine Kollegen kein Problem zu sein. Trotzdem musste ich Ausschau halten nach einem richtigen Exportleiter, welcher diese Reisetätigkeit von meinen Schultern nehmen konnte. Neben den hier wähnten Fernreisen kamen ja auch stets kleine Abstecher in Europa hinzu und es gab noch keine Low Fare Airlines. 

 

Eine besondere Richtung schlug das Unternehmen ein, als die Geschäftsführung dem Verwaltungsrat vorschlug, die Vermarktungslizenz eines Düsseldorfer Designers zu erwerben. Der Modedesigner war Tristano Onofri und er suchte den Vertrieb für eine Parfummarke. Ich selbst hatte ja nun einige Erfahrungen im Duftgeschäft bei Mäurer & Wirtz in Stolberg gesammelt, damals mit der Marke Azzaro. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass dieser Vertriebsweg, der ja sehr exklusiv war, von dem Team in Aachen gestemmt werden konnte. 

 

Es war so wie der erste Knick in den ansonsten so guten Beziehungen der Geschäftsführer und der Gesellschafter untereinander. Auch der Senior Dr. Leo Vossen konnte sich nicht so recht anfreunden mit diesem Schritt, lenkte aber letztendlich ein. Der Verkauf der Parfums, die von den Selbstkosten her sehr aufwendig waren, lief denn auch zunächst schleppend, ganz einfach, weil die Kosmetikerin nicht die ideale Verkaufsstelle für einen hochpreisigen Duft darstellt. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass die Lizenzübernahme vielleicht keine gute Entscheidung gewesen war. 

 

Gegen Ende 1985 kam es aufgrund der wachsenden Internationalität unseres Unternehmens zu einem seltsamen Hinweis der Gesellschafter, angeregt durch Rosemarie Vossen, der Frau von Dr. Leo Vossen, die sich schon immer über die hohen Steuerzahlungen aufgeregt hatte. Sie hatte in einer Anzeige von Steuerspar-Modellen in den Niederlanden und in den Niederländischen Antillen gelesen und brachte dadurch eine interne Diskussion in Gang, die an Dynamik stets zunahm. Daraus entstanden eine lange Analyse und viele Beratungsgesprächen mit einem Unternehmensberater aus Breda und dem hauseigenen Wirtschaftsprüfer Dr. Otto Janssen aus Köln, die letztlich in die Entscheidung mündete, dass die Gesellschafter eine steuergünstige Struktur in den Niederlanden aufbauen wollten. Bis in 1987 liefen die Vorbereitungen hierzu dann auf Hochtouren, mit dem Ergebnis, dass eine Holding auf den Niederländischen Antillen und eine internationale Vertriebsfirma in Vaals, die Babor International N.V., gegründet wurden. 

 

1986

 

Auch in 1986 setzte sich die positive Entwicklung im Unternehmen fort, wenngleich es wie jedes Jahr einiges an Turbulenzen gab. 

 

Der Exportleiter Herr Breuer wurde bei uns nicht glücklich, er schied bereits nach etwas mehr als einem Jahr aus. Ich unternahm einen neuen Versuch, nämlich einen alten Bekannten zu befragen, Karl Heinz Hoven, meinen Schulfreund aus den ersten Schuljahren in Hauset und aus der Mittelschule in Eupen, also ein echt Hauseter Junge. Er wohnte  auch in Hauset. Er hatte bis dahin bei der Firma Bruch & Cie. in Kelmis gearbeitet und ich sprach ihn einmal an, ob ihn diese Aufgabe bei Babor interessieren würde. Karl-Heinz Hoven trat am 16. Juni 1986 seinen Dienst bei Babor Cosmetics an. Er übernahm sofort die Betreuung einiger Märkte, natürlich auch die französischsprachigen, und nahm mir sehr viel Arbeit ab, damit ich mich verstärkt auf meine Aufgabe als Geschäftsführer konzentrieren konnte. 

 

Einige Monate zuvor hatte auch Dieter Rietfort einen jungen Mann ausfindig gemacht, der zwar noch relativ berufsunerfahren war, der aber durchaus das Zeug hatte, die Exporttätigkeit zunächst unterstützend und dann federführend zu übernehmen. Es war Michael Thomas, der nun zusammen mit Karl-Heinz Hoven für Entlastung sorgen würde. Er sollte ebenso wie Karl-Heinz die Export-Märkte betreuen, insbesondere eben auch in Übersee, da es nicht so bleiben sollte, dass ich noch andauernd im Export unterwegs war. Michael und Karl-Heinz verstanden sich auch recht gut, was die Zusammenarbeit allgemein erleichterte.

 

Wie bereits geschildert, gab es Mitte der achtziger Jahre einige Rückschläge. Erwähnt hatte ich schon, dass sich der Schweizer Importeur Uli Sutter aus unerklärlichen Gründen in seiner Wohnung in Zürich das Leben nahm. Der erfolgreiche holländische Importeur, das Ehepaar van Dreven, ließ sich scheiden, bei dem belgischen Importeur, dem Ehepaar Gallant, wurde uns etwas später von seiner Frau eröffnet, dass ihr Mann Alkoholiker sei und man das Geschäft an uns übertragen wolle. Auch der kanadische Importeur Herr Durette wollte sich in den Ruhestand begeben und sein Geschäft veräußern. Wenn auch in all diesen Ländern noch gute Umsätze erzielt wurden, so waren dies doch erste Boten eines in sich stagnierenden Systems, denn in den kommenden Jahren sollte viel Energie im Unternehmen Babor aufgebracht werden, um diese anstehenden Probleme zu lösen. Für mich als Geschäftsführer standen schwere Verhandlungen an.  

 

Der April des Jahres 1986 war auch das Jahr eines großartigen Events, welches ich von langer Hand vorbereitet hatte und bei dem mir der Partner Marchesini aus Mailand sehr half. Anlässlich der Messe Cosmoprof in Bologna im April wollte ich ein Internationales Meeting aller Distributoren abhalten. Die Cosmoprof ist eine der führenden Messen für Kosmetik weltweit, und seine Firma Solaria s.r.l. hatte dort natürlich einen Stand, auf dem Babor-Produkte ausgestellt wurden. Er hatte aber auch als Untervertreter die Marke Phytomer hinzugenommen, eben weil Babor keine besonders ausgeprägte Körperpflegeserie hatte. Bei der Organisation der Veranstaltung half mir meine Sekretärin Katy Martinez, die auch die Reise nach Bologna mit antrat. Wie jedes Jahr hatte die Sabena einen Sonderflug von Brüssel nach Bologna gechartert, so dass sich „die halbe Elite der deutschen Kosmetikindustrie“ in dem Flugzeug befand. Dies waren von Seiten Babor noch mein Kollege in der Geschäftsführung, Dieter Rietfort, Katy Martinez, sowie Karl Heinz Hoven und Michael Thomas. Karl-Heinz war allerdings noch nicht angestellt, er sollte erst im Juni dem Unternehmen beitreten. Wir waren in einem typisch italienischen Hotel etwas außerhalb von Bologna untergebracht, welches Marchesini für uns reserviert hatte. Herr Durette aus Kanada war schon früher mit seiner Tochter Louise eingetroffen und empfing uns mit einem Glas Wodka in der Hand. Dies war ein Vorzeichen für das, was kommen sollte: Schon am zweiten Tag waren alle Getränke  in der Hotelbar erschöpft. Neben dem Besuch der Messe und den Tagungen im Residenzhotel gab es auch abends gastronomische Ausflüge zu hervorragenden italienischen Restaurants. Marchesini kannte sich da aus. Auf dem Rückflug von Bologna erfuhren wir von dem Gau in Tschernobyl. Es war der 26. April 1986.

 

Das Meeting in Bologna war eine großartige, freundschaftliche und wirtschaftlich erfolgreiche Veranstaltung, wenngleich sie natürlich viel Geld gekostet hatte. Aber es hatte sich gelohnt und die wichtigsten Partner waren auch anwesend: neben dem bereits erwähnten Herrn Durette und Tochter Louise aus Kanada waren hier die neuen Schweizer Distributoren Sütterlin zugegen, die nach dem Tod von Herrn Sutter das Geschäft von Frau Sutter übernommen hatten. Ebenfalls dabei waren die Tochter von Herrn Dietholm aus Österreich, Mario und Julian von Julma Cosmetics aus Madrid, das Ehepaar Esbjerg aus Schweden, Tore Tjostolvsen aus Norwegen und sein Sohn, das Ehepaar Brix aus Kopenhagen, Herr van Dreven und sein Schwiegersohn aus den Niederlanden, Takis Papazoglou und seine Frau aus Griechenland, unser Geschäftspartner aus Frankreich,  Herr Lemoine und Herr Marchesini aus Mailand, der mir bei der Organisation so geholfen hatte. Von unserem Stammhaus waren dabei, wie oben erwähnt Katy Martinez, Dieter Rietfort, Michael Thomas und Karl-Heinz Hoven.

 

Im Mai und Juni des Jahres 1986 reiste ich zum ersten Mal nach China. Diese Reise hatte ich von langer Hand vorbereitet, aber sie hatte noch einen halb privaten Charakter. Ein Ansatz für Geschäfte kam eigentlich aus dem Warenzeichenrecht. Dr. Vossen, der sich um diesen Markenschutz sehr bemühte, hatte schließlich nichts dagegen, wenn wir die Marke BABOR auch in diesem Land registrierten denn „... es ist ja wohl ein Markt der Zukunft.“ 

 

Einen Patentanwalt, Dr. Li, hatte ich schnell gefunden, sodass ich mich dank seiner Hilfe auf die Reise nach Beijing machen konnte. Gleichzeitig hatte ich ihn aber gebeten, auch gewisse Kontakte zu knüpfen, mit denen man sich vielleicht um eine Zusammenarbeit bemühen konnte. Der smarte Anwalt konnte dies alles in die Hände nehmen. Begleitet wurde ich zusätzlich noch von meinem Vertreter aus Hong Kong Mr. Lau, denn er sollte mein Dolmetscher sein. 

 

Die Reise ging über Guang Zhou nach Beijing und dann zurück über Shanghai mit einem Abstecher in die Stadt Chang Sha, die Hauptstadt der Provinz Hunan, heute eine boomende Metropole mit sieben Millionen Einwohnern. In Beijing ging es um die Registrierung der Marke, aber der Anwalt Mr. Li hatte auch einige Parteikader zusammengetrommelt, mit denen K.K. Lau und ich ausgiebig dinierten und die Möglichkeiten für Geschäftsbeziehungen ausloteten. 

 

Von dort flogen wir dann nach Shanghai, wo wir einen ersten Kontakt zu einer sogenannten „Special Development Zone“ hatten, deren Ziel es war, ein Joint Venture aufzubauen für die Produktion von Kosmetik in China. Die Gewerbezone lag in Nantong, am anderen Ufer des Yangtsekiang oder Yangtse Fluss. Wir führten dort erfolgreiche Verhandlungen, die im Laufe des Jahres vertieft werden sollten. Der Flug nach Changsha ging zu einem Betrieb, der auch Kosmetik produzierte. In Erinnerung bleibt mir vor allen Dingen, dass es der erste Zeitpunkt der wirtschaftlichen Öffnung Chinas war, und das man allerorts spürte, was hier in Bewegung geriet. 

 

Zurück in Hong Kong reiste ich zunächst weiter nach Korea und Japan, dorthin fünf Jahre nach meinem ersten Besuch. In Seoul besuchte ich unsere Vertretung, die Firma Paulus Ltd., die langsam Fortschritte machte. In Japan ging es bei meinem zweiten Aufenthalt darum, die Verhandlungen für eine Distribution voranzubringen und wenn möglich abzuschließen. Entschieden habe ich mich für die Firma Ida Ryogokudo aus Tokyo, einem Großhandel für kosmetische Erzeugnisse. Dies hatte aber doch viel Überzeugungskraft gekostet. Auch mussten die gesamten Unterlagen für die Registrierung der Produkte zusammengetragen werden. Das Japan Abenteuer war für mich ein ebenso großes Erlebnis wie zuvor China, die Stadt und überhaupt das ganze Land waren natürlich viel moderner und fortgeschrittener als ich dies in China kennengelernt hatte. In Tokyo wohnte ich in einem Fünf-Sterne-Tempel, dem Otani Hotel. Den Eigentümern der Firma Ryogokudo sah man auch den Wohlstand an, nicht angeberisch, aber der Vater und seine beiden Söhne fuhren deutsche Karossen (die mit dem Stern) und scheuten auch sonst keine Kosten, wenn es um die Darstellung ihres Handelsunternehmens ging. Mein Ansprechpartner war Harumi Uno, der Vertriebsleiter des Großhandelsunternehmen, der ebenso kompetent wie verlässlich war.

 

Von Tokyo flog ich über Seattle in die USA zu Klaus Zimmermann. Sein Draht zu den Distributoren war allerdings alles andere als freundlich, schon nach wenigen Monaten krachte es im Gebälk, da die Distributoren sich auch bei der Familie Vossen beschwerten. Auch ein Treffen der Distributoren am Firmensitz in Maplewood im Juni 1986 konnte daran wenig ändern. Ich selbst kam nicht sehr gut mit den Führungsmethoden von Klaus Zimmermann zurecht, sein Vorgehen war für ein Unternehmen unserer Größe einfach unangebracht, unpersönlich. Er setzte alle Distributoren unter Druck und meinte damit den Umsatz steigern zu können. Es waren jedoch nur kleine Familienbetriebe und keine Konzerne. Mit dem neuen Geschäftsführer liefen also die Geschäfte nicht besser, seine Methode mit der Brechstange vorzugehen verärgerte nur alle Distributoren, brachte aber keine steigenden Umsätze.

 

Ich reiste im August 1986 zum ersten Mal nach Breslau, wo sich die kleine Firma in einer Fußgängerzone eingerichtet hatte. Auf dieser Reise begleitete mich Karl-Heinz Hoven, es war seine erste größere Auslandsreise in Diensten von Babor.

 

Ebenfalls im August nutzte ich den CIDESCO Kongress in Wien für einen großen Auftritt der Marke Babor, als Sponsor sozusagen. Die Absicht war es das Unternehmen in diesem Kreis bekannter zu machen, denn in vielen Ländern hatte die Interessenvertretung der Kosmetikerin doch einen guten Ruf und vor allen Dingen ein internationales Ausbildungsprogramm. Wir waren mit großer Delegation angereist: Michael Thomas, Karl-Heinz Hoven, Margot Stolzenberg, Dr. Sacher und mein Kollege Dieter Rietfort. Unvergessen waren eine Abendveranstaltung in Grinzing bei Heurigen und Fiedlermusik, sowie ein grandioser Ball, von der CIDESCO organisiert, in einem Wiener Ballhaus bei Schloss Schönbrunn.  Auch die Familie Dietholm aus Wien, unser Gastgeber, hatte  ihren Spaß. Geschäftlich brachte der Kongress keine messbaren Ergebnisse, er diente überwiegend der Image- und Kontaktpflege.

 

In Frankreich, England und Belgien war Karl-Heinz Hoven schnell sehr aktiv geworden und er konnte so zum weiteren Wachstum dieser Märkte beitragen. Wir reisten dann auch erstmals zusammen in den Ostblock, und zwar nach Breslau zu den Skorczynskas, ich habe es oben bereits erwähnt. Auch diese Geschäftsverbindung entwickelte sich positiv, wenngleich es wegen der Bezahlung aufgrund von Devisenbestimmungen auch Probleme gab. Wir stellten aber fest, dass gerade in Polen die Ausbildung der Kosmetikerin sehr gut war und dieser Zweig eine Art Schattenwirtschaft darstellte, am offiziellen Markt vorbei.

 

In Aachen bewegte sich im Personalbereich in dieser Zeit einiges. Die Schulungsassistentin Jutta Janzen, die am 1. Januar 1983 dem Unternehmen beigetreten war, ging 1986 zunächst probeweise für einige Monate zwecks Schulungen in die USA. Sie bereiste bei dieser Gelegenheit alle Vertretungsgebiete, um die Partner von der technischen Seite her auf Vordermann zu bringen. Bei einem Partner war dies ein schwieriges Unterfangen, nämlich bei Ed Beck und seiner Frau Jutta, denn Jutta Beck betrachtete sich selbst ohnehin als die ausgewiesene Expertin, der man nicht mehr allzu viel beibringen konnte. 

 

1987

 

Am 1. Januar 1987 übernahm Dr. Roland Sacher die Leitung des Ressorts Forschung & Entwicklung im Unternehmen. Bisher war Herr Pohl Entwicklungsleiter gewesen, er hatte das Unternehmen verlassen. Dr. Sacher war am 1. Januar 1983 zum Unternehmen gestoßen, hatte dann die ersten Jahre als wissenschaftliche Betreuer die Marketingabteilung der Firma ergänzt. Die Aufgabe von Dr. Sacher hatte zunächst darin bestanden, die Texte und Aussagen zu entwerfen sowie Vorträge zu halten und das gesamte Sortiment wissenschaftlich zu dokumentieren. Er arbeitete somit dem Marketing und Frau Grablowitz (Anwendungstechnik) zu. Frau Grablowitz hatte nach ihrer Scheidung erneut geheiratet und hieß nun Kleine-Tebbe. Sie sollte mehr und mehr in der Außenwirkung des Unternehmens in Erscheinung treten.

 

Im Januar des Jahres 1987 flog ich zunächst über Singapur nach Hong Kong, wo ich unsere Distributoren Jenny Wong und K.K. Lau kurz besuchte, und gleichzeitig den Startschuss legte zu meiner zweiten China Reise, die mich nach Guang Zhou, Shanghai und Beijing führte. Der Aufenthalt bei Jenny in Singapur war recht kurz, nach zwei Tagen ging es gleich weiter nach Hong Kong zum Ehepaar Lau. Die Gespräche bei beiden Geschäftsfreunden waren schnell abgehakt, so dass mir diesmal etwas Zeit blieb für touristische Einblicke. Leider war das Joint Venture, das ich letztes Jahr unterschriftsreif in Nantong  ausgehandelt hatte, nicht zustande gekommen. Es gab im Hause Babor viel zu viele Baustellen zu dieser Zeit, aber insbesondere fanden wir auch niemanden, der diese Aufgabe hätte übernehmen wollen. So hatte die ganze Reise mehr einen touristischen Charakter. Es war tiefer Winter und bei dieser Gelegenheit erfuhr ich aus der Presse, dass auch in Europa einer der kältesten Winter der letzten Jahre herrschte, mit sehr viel Schnee. Ich besuchte in Guang Zhou das Pearl River Delta, machte eine Stadtrundfahrt und hielt nach Kosmetikgeschäften Ausschau. In Shanghai hatte ich diesmal Zeit, die berühmte Nanjing Road im Spaziergang zu erkunden, wobei  hier die ersten Kosmetikgeschäfte auffielen, insbesondere Studios für Braut-Make Up. Auch besuchte ich natürlich den ebenso bekannte Bund, die Uferpromenade entlang dem Yang Tse Fluss, von wo aus man auch gegenüber, am anderen Ufer in Pu Dong, die ersten zaghaften Versuche einer Immobilienentwicklung erkennen konnte, die ich in den nächsten dreißig Jahren als atemberaubend miterlebte. In einer geführten Stadtrundfahrt in Peking erkundete ich Tian Men Square, und viele andere Sehenswürdigkeiten der Stadt und ich machte einen Ausflug zur „Großen Mauer“, eines der sieben Weltwunder. Meine Erfahrungen und Eindrücke in China möchte ich nicht missen, geschäftlich kam allerdings zu Babors Zeiten keine Anbahnung zustande.

 

Auf dem Rückflug von Beijing über Hong Kong nach Hause machte ich auch einen Zwischenstopp in Bangkok, wo meine Schwester Monique und mein Schwager Hermann schon seit Jahren lebten. Es war ein kurzer Aufenthalt, aber so oft war ich an Bangkok vorbeigeflogen, dass ich endlich einmal den beiden einen Besuch abstatten musste. Die Sehenswürdigkeiten der Stadt mit vor allem dem königlichen Palast erlebte ich auf einer geführten Stadtrundfahrt. 

 

Im Februar reiste ich nochmal nach Ungarn zu Helia D, der Firma aus Debrecen, diesmal mit Karl-Heinz Hoven. Helia D war ein ungarischer Hersteller von Kosmetika, der dickleibige Bonze des Unternehmens war allerdings mehr daran interessiert, seine Produkte nach Deutschland zu exportieren als unsere zu importieren.  Wir lernten aber auch eine leitende Angestellte kennen, die schon in Bologna an unserem Treffen teilgenommen hatte, Beatrix Kocsis. Sie konnte für uns nicht mehr bewirken, sie erlaubte uns aber die Babor-Erzeugnisse in ihrem Flagship-Store in der Fußgängerzone von Budapest auszustellen.

 

Eine neue besondere Entwicklung gab es dann in Italien, wo die Geschäfte mit Solaria alles andere als gut liefen. Die Firma Cosmitalia hatte Kontakt zu uns aufgenommen und wollte die Rezepturen unserer High Skin Refiner Serie für eine eigene Luxuslinie erwerben. Diese Verhandlungen kamen dann auch zu einem Ergebnis und Babor verkaufte tatsächlich die Bulkware nach Mailand. Die Italiener hatten eine große Präsentation zur Markteinführung geplant, wo ich zum ersten Mal eine andere Art der Produktpräsentation erlebte, so wie wir sie bei Babor nicht kannten. Promotor der Serie war die Fernsehikone Guiliana de Sio, die rothaarige Kriminalistin aus einer Krimiserie (Allein gegen die Mafia), die auch in Deutschland mit großem Erfolg im Fernsehen lief. Das Geschäftsvolumen der beiden Firmen untereinander blieb in Zukunft bescheiden. In deren Abwicklung war mein Kollege Dieter Rietfort involviert.

 

Schon im Mai veranstalteten wir in Aachen ein großes Fest, nämlich das 25-jährige Firmenjubiläum der Babor Cosmetics GmbH. Wir nutzen die Gelegenheit um auch unsere Distributoren einzuladen, selbst die aus Übersee. Der Galaabend des Festes fand im Krönungssaal des Aachener Rathauses statt. Es war nicht üblich, dass die Stadt für eine solche Feier den Krönungssaal zur Verfügung stellte, dank meines Kontakts zu Herrn Lindgens, dem persönlichen Referenten von Oberbürgermeister Malangré, und auch mit Unterstützung von Consul Cadenbach, unserem Aufsichtsratsvorsitzenden, gelang es mir allerdings, dies zu erreichen. Über zwanzig Länder waren nunmehr vertreten, noch alle im Einklang und in Harmonie mit den Gesellschaftern, der Geschäftsführung und dem Unternehmen. Die Feier selbst war rauschend, mit Body Painting von Malu Wilz, klassischer Musik mit einem Studentenorchester, in dem ein Student mitwirkte, der in Hauset Flög bei meinem Freund Bernd Grassmann wohnte, und natürlich auch mit vielen Festreden. Mit der ganzen Belegschaft gab es noch ein großes Fest später im November des Jahres. Bei dieser Gelegenheit hatte auch das berühmte Karnevalsduo „Colonia Duett“ einen Auftritt (Zimmermann, Du Ei!“). In die Show wurde ich mit einbezogen.

 

In den USA kam es nun mehr und mehr zu Kontroversen mit Klaus Zimmermann. Er hatte im Juni zu einem Meeting mit den Distributoren eingeladen an dem auch die Gesellschafterin Jutta Kleine-Tebbe teilnahm. Sie war auch Leiterin der Anwendungstechnik. Das Meeting selbst war zwar gelungen, aber ansonsten lief alles auf eine Trennung von Klaus Zimmermann hinaus, da die Distributoren ihm nicht mehr vertrauten.

 

Nach erfolgreichen Seminarreisen in den USA entschied sich zu dieser Zeit Jutta Janzen, sie wohnte bis dahin am Firmensitz in Maplewood (MN), ihren ständigen Wohnsitz in die USA zu verlegen. Dafür hatte sie sich auch in Abstimmung mit mir Chicago ausgesucht, denn in diesem Territorium (Midwest) glaubten wir, weit mehr Umsatz machen zu können, als bisher dort erzielt wurde. Hier war auch Marianne Steenvoorde angesiedelt, eine Kosmetikerin niederländischer Abstammung, die jetzt mit einem Amerikaner verheiratet war der in Chicago lebte. Mrs. Suska war die Distributorin für Midwest, geschäftlich allerdings nicht sehr erfolgreich. 

 

Zum Herbst  trennten wir uns von Klaus Zimmermann. Wir konnten recht schnell Ersatz für ihn finden, denn unser Export-Mitarbeiter Michael Thomas, der den amerikanischen Markt betreute, hatte sich spontan entschieden, die Aufgabe des Geschäftsführers in den USA und die damit verbundene Herausforderung anzunehmen. Er heiratete noch in 1987. Die Feier, zu der auch Elka und ich eingeladen waren, fand standesgemäß im Kasteel Vaalsbroek statt. Ende 1987 war es soweit, die Jungvermählten zogen nach Minneapolis und Michael leitete nun die amerikanische Filiale. Ähnlich wie Jutta Janzen, die damals in Chicago lebte,  kehrte er 1990 nach Deutschland zurück, als ich das Unternehmen bereits verlassen hatte. 

 

Im August 1987 ging es erneut nach Korea und Japan. Auf dieser dritten Reise nach Japan kam es dann zur Vorstellung der Produkte und zur Schulung eines Teams von Aestheticians, eine Aufgabe, die Margot Stolzenberg, die internationale Schulungsleiterin von Babor, übernahm. Die Partner hatten für einige Tage auch einen privaten Aufenthalt in den Vulkanbergen unweit von Tokyo für uns vorgesehen, wo wir die ersten japanischen Wellness Hotels kennenlernten. Mit dabei war allerdings auch ein Vertreter einer australischen Firma, die ebenfalls Produkte nach Japan exportieren wollte. Die Präsentationsveranstaltungen fanden im Hotel statt, es waren für unsere Begriffe recht steife Veranstaltungen, aber dies war wohl in Japan so Sitte. Auch der prominente Vorstand des CIDESCO Japan, der Vereinigung japanischer Kosmetikerinnen, war eingeladen worden, so dass ich bereits hier erkannte, dass man bei Ida Ryogokudo den richtigen Verkaufsweg gewählt hatte. 

 

Im September heiratete die Sekretärin der Geschäftsführung, Katy Martinez. Sie selbst war als einziges Kind der Familie Martinez in Aachen geboren, aber ähnlich wie ihre Mutter zog es sie immer nach Spanien, genau genommen nach La Coruña, von dort kamen ihre Eltern. Der Vater war für La Coruña Fußballspieler in der spanischen Liga gewesen. Von ihrer Mutter Maria Carmen habe ich an anderer Stelle bereits erzählt. Katy hatte mich und den spanischen Geschäftspartner Mario Villacanas, der sich inzwischen von Julian Pajares getrennt hatte, zur Hochzeit nach La Coruña eingeladen und wir verbrachten hier zwei sehr schöne Tage auf einem großen Fest und in einer wunderschönen Gegend von Galizien. Dabei konnte ich der Stadt Santiago de Compostella einen kurzen Besuch abstatten. Der Wallfahrtsort am Ende des Jakobswegs lag nicht weit von La Coruña entfernt. Kennengelernt hatte Katy ihren Mann José Antonio auf einer Messe in Barcelona, er war Physiotherapeut und arbeitete am Stand eines Mitbewerbers. Er stammte aus Asturien, die beiden zogen nach ihrer Heirat allerdings nach Barcelona, wo sowohl er als auch später dann Katy arbeiteten. Jahre später, ich war schon selbstständig, traf ich Katy wieder auf der Kosmetikmesse Beauty International in Düsseldorf, denn ihr Mann war inzwischen der Vertreter von Klapp Kosmetik in Spanien. Ulrich traf ihn vor nicht allzu langer Zeit in Miami. Katy selbst starb auf tragische Weise recht jung an Krebs, das Leben einer sehr attraktiven, arbeitsamen und lebensfrohen jungen Frau fand so leider ein allzu frühes Ende. Als neue Sekretärin und somit als Ersatz für Katy Martinez stellte ich Gerta Thelen ein. Karl Heinz Hoven kannte sie aus seiner Zeit bei Bruch & Cie. 

 

Im November 1987 besuchte ich wiederum Minneapolis und Montreal. Diesmal wurde nach dem Ausscheiden von Zimmermann der neue CEO Michael Thomas in eingeführt. 

 

In Kanada ging es darum, dass Yves Durette uns auch seine Firma zum Kauf anbot, er aber sicherstellen wollte, dass seine Tochter Louise die Geschäftsführung übernehmen könne und das ganze Team ebenfalls übernommen würde. Die Verhandlungen begannen mithin, diesmal war es für mich allerdings nicht so leicht meine Kollegen in Aachen zu überzeugen, denn es musste nun nochmal eine Tochtergesellschaft gegründet werden, Durette verlangte viel Geld und wir hatten schon genug ausgegeben. Nach den Vereinigten Staaten, nach den Niederlanden und zuletzt Belgien war dies nun schon die vierte Tochterfirma. Die Gründung der Babor Cosmetics Canada Inc. wurde aber in Auftrag gegeben und sollte im folgenden Jahr zum Abschluss kommen. Zwischendurch trafen wir in Aachen alle Vorbereitungen für einen Umzug des internationalen Vertriebs in die Niederlande nach Vaals. Ein eigenes Budget der Gesellschaft wurde festgelegt, die Eigenfinanzierung des Unternehmens wurde angestrebt. Büroräume waren schnell gefunden, in der Tentstraat in Vaals, Ecke Gemmenicherweg. 

 

In Europa gab es in dieser Zeit ebenfalls viel Bewegung. In der Schweiz hatten die Sütterlins den Vertrieb nun schon erfolgreich übernommen. In Österreich war nach wie vor Herr Dietholm der Partner von Babor. Er hatte schon seit einiger Zeit begonnen, seine eigene Marke auszubauen, die Living Dimension. Sein langjähriger Geschäftsführer Leopold Dutzler, mit dem ich mehrere Jahre zusammen gearbeitet hatte, war 1986 allerdings entlassen worden und die Tochter von Herrn Dietholm hatte diese Funktion an der Seite ihres allmächtigen Vaters übernommen. Sie und ihre Enkelin Sabine führten später den Betrieb mit Herrn Dietholm erfolgreich weiter, mit meiner späteren Firma Janssen Cosmeceutical wurde ich noch zum Lieferanten für die Firma Diosapharm mit unseren Rezepturen aus dem Labor Dr. Sacher Kosmetik. 

 

Große Veränderungen gab es auch in den Niederlanden und in  Belgien. In Ede in Holland hatte sich auch das Ehepaar van Dreven schon vor einigen Jahren getrennt, Herr van Dreven heiratete eine jüngere Mitarbeiterin ambonesischer Abstammung, wollte aber jetzt den Vertrieb an Babor veräußern. Babor zahlte eine Abfindung für den Kundenstamm, sodass die Firma in Aachen doch einiges Geld in die Hand nehmen musste. Der offizielle Sitz der niederländischen Tochter wurde im folgenden Jahr 1988 in Landgraaf angesiedelt, die Abwicklung lag allerdings in Aachen, was auch logistisch recht gut funktionierte. 

 

In Belgien trennte sich das Ehepaar Gallant nach vielen Jahren erfolgreicher Zusammenarbeit. Frau Gallant hatte Karl-Heinz und mir auf einem Treffen in Haut-Sarts bei Lüttich mitgeteilt, dass ihr Mann Alkoholiker sei. Beide wollten das Geschäft an Babor verkaufen. Es kam zu Verhandlungen, die schnell zu einem Ergebnis führten. Die neue Vertriebsfirma Babor Belgien wurde in Eupen eingerichtet und Karl-Heinz kümmerte sich verantwortlich um den Aufbau dieser Firma, die mit eigenen Angestellten betrieben wurde, aber doch stark mit Aachen verwoben blieb.

 

Zum Jahreswechsel war alles vorbereitet für die Verlegung der internationalen Abteilung nach Vaals, am 1. Januar 1988 begann deshalb auch für mich ein neues Kapitel. Ich schied als Geschäftsführer in Aachen aus und wurde alleiniger Geschäftsführer der Babor International B.V. 

 


Die Janssens aus Hauset

Walther und Elka Janssen wohnten mehr als 40 Jahre mit ihren drei Söhnen in dem kleinen Ort Hauset, einem Ortsteil der Gemeinde Raeren in Ostbelgien. Vieles in dem Archiv unserer Webseite dreht sich deshalb um diese 40 Jahre gemeinsamer Erlebnisse, aber auch um die Zeit davor. Elka und Walther wohnen seit 2013 in Schleckheim, einem Stadtteil im Süden von Aachen. Die beiden ältesten Söhne sind mit ihren Familien in Hauset geblieben, der jüngste Sohn wohnt am Firmensitz der Janssen Cosmetics in Oberforstbach (Aachen).  Wir möchten die Privatsphäre schützen, deshalb reagieren wir gerne auf Hinweise. Wenn Ihr also Hinweise,  Fragen, Anregungen und Vorschläge oder Ideen habt, meldet Euch gerne  

 

dialog@waltherjanssen.eu  


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Kommentare: 1
  • #1

    Detlev O. (Freitag, 01 Januar 2021 17:57)

    Lieber Walther, Du hast das Jahr 2020 sehr gut von allen Seiten beleuchtet. Immer ein Blick auch auf die Firma. Bleibt gesund