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Dorfgemeinschaft Hauset 4 2010-2025

TEIL  4 - Die Entwicklung in den Jahren seit 2011 bis heute

Mit dem zweiten Jahrzehnt der 2000er Jahre hatte sich meine private Lage dahingehend geändert, dass ich mich in den Ruhestand verabschiedet hatte. Ich hatte mir vorgenommen, mich noch einmal in der Dorfgemeinschaft verstärkt zu engagieren und damit verschob sich ein Teil meines privaten Engagements wieder in Richtung Dorfgemeinschaft.

Wenn ich rückblickend den Wandel der letzten 15 Jahre betrachte, so ist der zuvor erwähnte Kipppunkt rund um die Jahrtausendwende ohne Zweifel richtig erkannt. Die schleichenden Veränderungen im Dorfleben, die auch das Zusammenleben in der Dorfgemeinschaft betrafen, waren einschneidender Natur. Hauset hat inzwischen über 2000 Einwohner und die immer wieder aufgeführten Säulen des öffentlichen Lebens einer kleinen Dorfgemeinschaft sind deshalb nicht mehr so wie früher in den Herzen und Gedanken aller Mitbürgerinnen und Mitbürger verankert, wie dies in den Jahrzehnten nach dem Krieg bei nur 800 Einwohnern gewesen war.


Mit einer kleinen Gruppe von Interessierten arbeitete ich ab 2010 an einer Chronik für das Dorf Hauset. Antreiber war dabei der aus Hauset stammende Journalist Willy Timmermann, der sich nun auch längst im Ruhestand befand. Er hatte schon viele Beiträge gesammelt und geschrieben, sodass der erste Band unseres Heimatbuches allein mit diesem Material verlegt werden konnte. Willy Timmermann verstarb allerdings noch im Jahr 2010. Deshalb hatte ich an seiner Stelle die weitere Bearbeitung übernommen und unsere Gruppe schaffte es mit vereinten Kräften, das erste „Heimatbuch Hauset“ im Herbst 2011 zu veröffentlichen. 

 

150 Jahre Pfarre und Kirche Hauset

Das Jahr 2011 war ein besonderes Jahr für die Pfarre und die Kirche. Die St. Rochus-Pfarre Hauset war 1861 gegründet worden und bestand jetzt 150 Jahre. Sie ist heute eine Pfarre im Pfarrverband Raeren. Das Ereignis wurde mit einem großen Fest in der Mehrzweckhalle gefeiert. Zuvor fand in der Pfarrkirche ein Festgottesdienst statt, der vom Bischof von Lüttich, Exzellenz Aloys Jousten, gemeinsam mit den Pfarrern aus Eupen, Kelmis, Lontzen und Raeren zelebriert wurde. Bei der Feier in der Mehrzweckhalle hatte ich Gelegenheit, das Heimatbuch mit einer Diashow vorstellen. Da unsere Gruppe noch viele Beiträge verschiedener Autoren zur Verfügung hatte, beschloss sie, ein zweites Heimatbuch zu verlegen, das 2012 erschien.

Die Kirche in Hauset hatte bei weitem nicht mehr den großen Zulauf früherer Zeiten, wenn man dies so nennen möchte. Aber wie bereits erwähnt, handelte es sich hier um einen Trend, der überall spürbar wurde und in den letzten Jahren zusätzlich durch die Missbrauchsskandale in der Kirche verstärkt wurde. Die Feierlichkeiten zur 150jährigen Gründung der Pfarre waren sicher ein Highlight, ansonsten bleiben nur, etwas überspitzt dargestellt, die jährlichen Feiern der Kommunionkinder und die Festgottesdienste zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten. Dabei hatte der Kirchenchor viele Jahre die Ehre, im Pfarrverband Raeren weiterhin die Mitternachtsmesse an Heiligabend zu gestalten, was die Gläubigen trotz später Stunde mit zahlreichem Erscheinen in der St. Rochus-Kirche belohnten. Doch die Zeiten, an denen die Kirche bis auf den letzten Platz gefüllt war, blieben die Ausnahme.


Die Schule im Mittelpunkt

Die Schule blieb auch in den letzten Jahren ein Mittelpunkt, wo sich rund um den Kindergarten und neben dem Schulbetrieb viele Eltern trafen und Gemeinsames planten. Die Gemeinde musste wegen der wachsenden Schülerzahlen immer wieder neue Maßnahmen ergreifen. So wurden inzwischen Schulcontainer als Klassenzimmer eingerichtet und neuerdings wird ein Schul-Ergänzungsbau geplant. Die Jahrgänge meiner Generation waren inzwischen Großeltern geworden und so trafen sich viele wieder, wenn die Enkelkinder von der Schule abgeholt wurden. Doch durch die stets wachsende Zahl von Einwohnern und deren Kinder ist einem nicht jeder Schulbesucher bekannt. Als Bildungseinrichtung bleibt die Gemeindeschule aber prägend für den Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft. 

 

Die Gemeinde

Nach meiner Einschätzung spielt heutzutage die Gemeinde als Institution in der Wahrnehmung und der Verankerung unter den Dorfbewohnern eine größere Rolle als früher. Nach wie vor sind die Hauseter Bürger im Gemeinderat vertreten, aber große Aufmerksamkeit erhielt die gemeindepolitische Arbeit zunächst nicht. Dies änderte sich etwas, als nach dem Ausscheiden von Hans-Dieter Laschet als Bürgermeister von Raeren und den Wahlen von 2018, der aus Hauset stammende Erwin Güsting zum Bürgermeister von Raeren ernannt wurde. Erwin war seit den 1980er Jahren fast durchweg Mitglied des Gemeinderats und hatte sich nicht nur über die verschiedenen Vereine, in denen er Mitglied war, sondern insbesondere durch seinen unermüdlichen Einsatz für das Gemeinwohl einen Namen gemacht. Durch einen Wechsel der Mehrheitsverhältnisse wurde er nach drei Jahren von Jérôme Franssen abgelöst, mitten in der Corona-Krise.

 

In den letzten Jahren spielt die Gemeindepolitik doch eine stets größere Rolle. In vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens greifen die Errungenschaften der Autonomie, begünstigt durch die Förderprogramme der Regierung in Eupen, der Gemeinde Raeren oder anderer Einrichtungen auf regionaler Ebene. Aber es spielt sich nicht mehr alles im Dorf ab. 

In den vergangenen drei Jahrzehnten sind nahezu alle Geschäfte aus Hauset verschwunden. Als einziger Standort blieb die Bäckerei Kockartz erhalten, die sich inzwischen zu einer Großbäckerei entwickelte mit mehreren Filialen im Eupener Land und sogar in Aachen. Einige kleinere Versorgungsläden in der Mitte des Dorfes oder in der Nähe der Gewerbezone am Waldring und entlang der Aachener Straße hielten nicht lange durch. So bleiben heute nur noch einige wenige Treffpunkte mit täglichen Öffnungszeiten. Die Lebensmittelketten für die Versorgung des täglichen Bedarfs befinden sich in Eynatten, Eupen oder Kelmis, oder im benachbarten Aachen und in Oberforstbach.  


Auch im Kunst- und Kulturbereich ist man auf Mobilität angewiesen. Hauset hat im Kleinen mit den Vereinen Atelier Regenbogen und KuKuK zwar einiges zu bieten, aber die Menschen pendeln im gesamten Eupener Land, oder bis Aachen oder Lüttich, ja sogar bis Köln und Sankt Vith je nach Anspruch kreuz und quer. Viele nutzen auch das vielseitige und bunte Angebot, das sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten im Autonomiegebiet entfaltet hat, und auf das man hier zu Recht stolz ist.

 

Auch die Jugendarbeit oder die Berufs- und Weiterbildung werden auf der Ebene der DG gut gefördert. Heute können wir von einem dichten sozialen und gesellschaftlichen Netz der Absicherung und der Lebensgestaltung sprechen. Die Gemeinde Raeren ist bei der Schulbildung besonders aktiv, genauso bei der Pflege- und Altersversorgung. Mit dem Marienheim verfügt die Gemeinde über eine hervorragende Versorgungseinrichtung für ältere und pflegebedürftige Menschen, die auch vielen Hausetern im Laufe der Jahre Hilfe, Pflege und Fürsorge geboten hat. Die Kantine des Marienheims bedient jede Woche mittwochs einen Mittagstisch in der Mehrzweckhalle. Die Gemeinde ist trotz allem, unterstützt durch Förderungsmaßnahmen der Wallonischen Region, an der weiteren dörflichen Entwicklung interessiert, wozu unter anderem Fragen der Mobilität, des Umweltschutzes und insbesondere auch die Schaffung weiterer sozialer Treffpunkte in der Nachbarschaft gehören. Vielleicht gelingt es durch diese Unterstützung, den einen oder anderen sozialen Treffpunkt ins Dorf zu holen. 

 

Der Sport

Auch im Sport trifft sich die Jugend eher außerhalb des Dorfes. Das trifft zu für den Fußball, den Handball und noch für einige andere Sportarten. Geblieben sind die beiden lokalen „Thekenmannschaften“, die in diesen Jahren immerhin ihr 50jähriges Bestehen feierten. Das war zunächst im Jahr 2018 der Hauseter Sportverein (HSV). Er wurde allerdings fünf Jahre später aufgelöst. Der FC Gut Schluck feierte im Juni 2023 sein 50jähriges Gründungsfest.

Im Kegelsportclub „Brett rein“ wurde 2006 das 75jährige Bestehen noch groß gefeiert und der Verein mischt im Verband der deutschsprachigen Kegler (VDK) nach wie vor mit. Große Erfolge von Hauseter Keglern hat es nicht mehr gegeben. Mangels Kegelbahn in Hauset trifft man sich schon seit dreißig Jahren im Bergscheider Hof in Raeren. Nach der Corona-Pandemie plagen aber Nachwuchssorgen den Kegelsport im Allgemeinen, wie auch der BRF 2023 zu berichten wusste. Natürlich bildete der „Brett rein“ keine Ausnahme und so geht eine lange Tradition langsam zu Ende.


Das übrige Vereinswesen

Den Schützenvereinen kamen nach und nach die Mitglieder abhanden, ohne dass neue hinzukamen. Aber auch die gesellschaftlich-kulturelle Bedeutung des Schützenwesens hat in unserer Ortschaft stark nachgelassen. Die Petrus-Schützengesellschaft löste sich 2017 geordnet auf, ihr letztes Schützenfest hatte 2014 stattgefunden. Die beiden anderen Schützenvereine haben nur noch wenige Mitglieder. Diese halten dankenswerterweise das Fähnlein noch hoch. Anlässlich der Kirmes oder dem Maifest sind sie mit einer Delegation und ihrer Fahne zur Stelle. Mit etwas Wehmut kann man allerdings vorhersehen, dass diese Schützenvereine auch ihrer Auflösung entgegensehen.


Der bisher letzte Rückschlag für das Vereinswesen in Hauset und anderswo entstand durch die Pandemie, die im Frühjahr 2020 begann und für nahezu drei Jahre das dörfliche Leben zunächst zum Erliegen brachte und danach zumindest stark einschränkte. Gerade für die Bewohner des Dorfes Hauset war die Schließung der Grenze eine sehr große Belastung, die Beeinträchtigungen im kleinen Grenzverkehr waren erheblich. Zu längeren Schulschließungen war es allerdings nicht gekommen. Inzwischen hat sich die Entwicklung wieder normalisiert, aber die Einschränkungen haben doch in allen Bereichen, die für das Zusammenleben im Dorf wichtig sind, ihre Spuren hinterlassen.
 

Der Gesangverein St. Cäcilia hat die Krisenjahre der Pandemie überstanden, und die Sängerinnen und Sänger haben wieder zusammengefunden. Es mangelt jedoch auch an Nachwuchs. In diesem Jahr 2025 feiert der älteste Verein des Dorfes Hauset sein 150jähriges Stiftungsfest. Seine neue Initiative, das „Offene Singen“, das seit 2024 durchgeführt wird, erfreut sich großen Zulaufs und verleiht allen Freunden des Gesangs ein besonderes Gefühl der Zusammengehörigkeit. Das Atelier Regenbogen hat die Veranstaltungen seines Programms wieder aufgenommen und mit der jährlichen Veranstaltung „Hauset liest!“ noch eine neue Initiative hinzugenommen, die auf großes Interesse stößt. Gerade jetzt hat der Verein auch einen neuen Verwaltungsrat gewählt.  Der KuKuK an Köpfchen bietet ein vielfältiges Programm in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens, es wäre wünschenswert, dass es von Hauseter Bewohnern mehr genutzt wird. Die Landfrauen Gruppe Hauset ist nach wie vor aktiv und bringt sich bei vielen Veranstaltungen durch verschiedene Initiativen ins Dorfgeschehen ein. Dem Verkehrsverein Hauset, Mitorganisator der Kirmes und des Martinszugs, mangelt es an aktiven Mitgliedern und so ist man auf der Suche nach einem neuen jüngeren Vorstand und einem besseren Zukunftskonzept.

Zu der Kategorie neuer Initiativen gehört die Nachhaltigkeitsgruppe „Weniger ist Mehr“, die auf vielen Feldern aktiv ist. Unter anderem wird der Pfarrgarten als Tätigkeitsfeld ökologisch „beackert“ und die Ernte “fairteilt”. Ebenso gibt es ein Repair Café, welches einmal monatlich Reparatur Arbeiten kostenlos durchführt und viel beansprucht wird. Auch die Bibliothek Hauset erfreut sich wachsenden Zulaufs vor allen Dingen bei Kindern. Die Bibliothek plant sogar eine Ausweitung durch die Schaffung eines sozialen Treffpunkts mit erweiterten Räumen. Weiter ist ein Freundeskreis Dorfarchiv aktiv, der einerseits Fotos, Dokumente und Materialen in einem kleinen Museum im Pfarrhaus sammelt und ausstellt, und diese Materialien auch online auf einer Webseite und in einer Cloud für die Zukunft sichert. Ein oder zwei Mal im Jahr finden Veranstaltungen statt zu dorfgeschichtlichen Themen, die als Slideshows dargeboten werden und im Youtube Kanal zu sehen sind. Diese Events sind ebenfalls gut besucht.


Wenn man alle diese Vereinsaktivitäten oder Initiativen einmal auflistet, entsteht ein respektabler Veranstaltungskalender. Es ist heute schon beeindruckend zu sehen, wie viele Veranstaltungen die verschiedenen Hauseter Initiativen im Laufe eines Quartals anzubieten haben, in allen Bereichen des Zusammenlebens. Zwei bis drei Dutzend Veranstaltungen werden in einem Quartal durchschnittlich angeboten, was sicher eine Menge ist und von Vielfalt, Integration und Zusammengehörigkeit zeugt. Insofern sind die traditionellen Schwerpunkte, die an Bedeutung verloren haben, gut aufgefangen worden. Was die Zukunft bringt, ist schwer vorherzusehen, denn es werden vor allen Dingen Menschen benötigt, die sich einbringen. Es stimmt optimistisch, dass hier noch Potential vorhanden ist. 

 


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Die Janssens aus Hauset

Walther und Elka Janssen wohnten mehr als 40 Jahre mit ihren drei Söhnen in dem kleinen Ort Hauset, einem Ortsteil der Gemeinde Raeren in Ostbelgien. Vieles in dem Archiv unserer Webseite dreht sich deshalb um diese 40 Jahre gemeinsamer Erlebnisse, aber auch um die Zeit davor. Elka und Walther wohnen seit 2013 in Schleckheim, einem Stadtteil im Süden von Aachen. Die beiden ältesten Söhne sind mit ihren Familien in Hauset geblieben, der jüngste Sohn wohnt am Firmensitz der Janssen Cosmetics in Oberforstbach (Aachen).  Wir möchten die Privatsphäre schützen, deshalb reagieren wir gerne auf Hinweise. Wenn Ihr also Hinweise,  Fragen, Anregungen und Vorschläge oder Ideen habt, meldet Euch gerne  

 

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