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Leben in Ostbelgien 2040 (REK)

Man muss der Regierung in Eupen ausdrücklich danken für ihre Bemühungen, die Bürger erneut in einem breiten Forum an der Gestaltung der Zukunft unserer Gemeinschaft zu beteiligen.

Was mir im Rahmen der Startveranstaltung zu diesem Bürgerdialog auffiel war allerdings, dass der große Mehrzahl der von den Mitbürgern eingebrachten Anregungen sich sehr auf den kleinen Rahmen der institutionellen Gemeinschaft der DG mit seinen neun Gemeinden fokussierten. Dies spiegelt an sich einen Tendenz wieder, die man schon seit Jahren feststellt, nämlich dass man sich in einer Wohlfühlblase tummelt und an sich wenig über den Tellerrand hinwegblickt. Ich bin mir aber sicher, dass die wir unsere hohe Lebensqualität heute nur erhalten können, wenn wir aus dieser Wohlfühlblase ausbrechen und die Grenzen die uns nach allen Seiten umgeben sprengen oder sagen wir überwinden. Denn wie wir in 2040 Leben, wird nicht von uns alleine hier in den neun Gemeinden bestimmt, es wird im hohen Maße beeinflusst von der Interaktion, die wir mit unseren Nachbarn im Osten (das Rheinland), im Westen (die Wallonie), im Norden (Süd-Limburg) und im Süden (Luxemburg) im täglichen Leben praktizieren. Alleine werden wir das nicht schaffen, auch wenn wir im belgischen Staatsgefüge eine eigene Region oder ein eigener Teilstaat werden sollten.

 

Damit möchte ich keineswegs das Geleistete der letzten Jahrzehnte in Frage stellen, der Umgang mit den uns zugeteilten Zuständigkeiten wurde von der Legislative und der Regierung gut geschultert. Dadurch ist ja vielleicht diese Wohlfühlblase entstanden. Der Mangel liegt aber tatsächlich darin, dass es wir uns zu sehr mit uns selbst beschäftigen ohne auf Bürgerebene eine grenzüberschreitende Sicht auf unsere Erwartungen zu gewinnen. Deshalb hatte ich bewusst zwei Anregungen in die Diskussion eingeworfen, nämlich 1) die Wohlfühlblase verlassen und 2) die Grenzen in alle Himmelsrichtungen sprengen.

 

In diesem Zusammenhang kamen wie gesagt sehr viele gute Anregungen und diese sollen ja auch in den nächsten Wochen in Fachwerkstätten vertieft werden. Allerdings fand ich bezeichnend, um nicht zu sagen irritierend, dass einmal auch auf der Leinwand des Moderators ein Beitrag erschien, der in etwa so lautete „… wir sind an erster Stelle Belgier, dann Europäer, usw… „. Ich weiß nicht warum dieses Statement nun gerade von den Moderatoren ausgesucht wurde, es hatte nämlich mit dem eigentlichen Thema nichts zu tun. Eine ähnliche Bemerkung stand auch noch einmal auf einem gelben Kärtchen beim Sammeln der Vorschläge, vielleicht hatte sie den gleichen Urheber.

 

Verstehen Sie mich nicht falsch, jeder darf sich natürlich einbringen, auch wenn es abwegig erscheint. Es zeigt mir aber, dass die Frage unserer eigenen Identität bei weitem noch nicht beantwortet ist. Auch wenn es um die Frage unserer Lebensqualität im Jahr 2040 geht, dann sind wir an erster Stelle Eupener oder Eifeler, dann sind wir regional betrachtet was eigentlich? Dann sind wir hoffentlich europäisch gesinnt und dann sind wir hoffentlich weltoffen. Wir müssen uns also auf unsere eigene Identität besinnen und die ist nicht in den neun Gemeinden eingepfercht.

 

Vielleicht ist es nicht ganz einfach sich diese weitere Sicht der Welt zu eigen zu machen, denn wir sind ja heute abhängig von Budgets und Dotationen die andere für uns beschließen. Nochmal, wie wir damit umgehen ist vorbildlich, es wäre allerdings noch besser, wenn wir dies im Zusammenwirken mit unseren Nachbarn optimieren. Es wird in 2040 vielleicht schon so sein, dass die ursprünglichen „Ostbelgier“ mit belgischem Pass in der Minderheit sind und gerade dann gehören wir trotzdem zu einer Schicksalsgemeinschaft, die ihr Leben lebenswert gestalten möchte in einem Lebensraum zwischen Rhein und Maas.

 

 

Wenn ich meine eigenen Wünsche für das Leben in 2040 benenne, so kann ich beruhigt feststellen, dass diese durchaus auch von vielen Teilnehmern genannt wurden und es wird wohl ein schwieriges aber dennoch lohnendes Bemühen sein, daraus Maßnahmen abzuleiten, wie wir diese gemeinsamen Zielvorstellungen erreichen. Oben drüber steht allerdings für mich, dass uns bewusst werden muss, dass die Lebensqualität auch in hohem Maße abhängt von der Zusammenarbeit mit unseren Nachbarn, Parlamentspräsident Karl-Heinz Lambertz hat es schon einmal Kooperationen genannt, über sprachliche und politische Grenzen hinweg. 

 

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Die Janssens aus Hauset

Walther und Elka Janssen wohnten mehr als 40 Jahre mit ihren drei Söhnen in dem kleinen Ort Hauset, einem Ortsteil der Gemeinde Raeren in Ostbelgien. Vieles in dem Archiv unserer Webseite dreht sich deshalb um diese 40 Jahre gemeinsamer Erlebnisse, aber auch um die Zeit davor. Elka und Walther wohnen seit 2013 in Schleckheim, einem Stadtteil im Süden von Aachen. Die beiden ältesten Söhne sind mit ihren Familien in Hauset geblieben, der jüngste Sohn wohnt am Firmensitz der Janssen Cosmetics in Oberforstbach (Aachen).  Wir möchten die Privatsphäre schützen, deshalb reagieren wir gerne auf Hinweise. Wenn Ihr also Hinweise,  Fragen, Anregungen und Vorschläge oder Ideen habt, meldet Euch gerne  

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Detlev O. (Freitag, 01 Januar 2021 17:57)

    Lieber Walther, Du hast das Jahr 2020 sehr gut von allen Seiten beleuchtet. Immer ein Blick auch auf die Firma. Bleibt gesund