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Virtuelle Ausstellung über Ostbelgien

Am Sonntag 20. September 2020 wurde im Kloster Heidberg in Eupen der Startschuß gegeben zu einer virtuelle Ausstellung mit dem Motto "Zeitschichten - Erkundungen eines Zwischenraums. Ostbelgien 1920-2020". Anlass war wohl das Datum der Anerkennung der Souveränität des Königreichs Belgien über die Kreise Eupen-Malmedy am 20. September 1920, also vor genau 100 Jahren.  Die Ausstellung entstand wohl im Auftrag der Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft und wurde von dem Luxemburg Centre for Contemporary and Digital History und dem Zentrum für ostbelgische Geschichte (ZOG) geschaffen.

 

Coronabedingt ist die Ausstellung nur virtuell zu sehen, die Veranstaltung fand denn auch nur mit wenigen Gästen und Rednern statt: hierzu zählten der Ministerpräsident Oliver Paasch und die Bürgermeister von Eupen und Malmedy, Claudia Niessen und Jean-Paul Bastin. Durch die virtuelle Geschichtsstunde führte Simonne Doepgen. Zu der Inhalten haben die allzeit bekannten ostbelgischen Historiker Philippe Beck, Christoph Brüll, Andreas Fickers und Carlo Lejeune (alphabetisch aufgeführt) ihren Beitrag geleistet, sie kommentierten denn auch diese Ausstellung. Die Historiker wirken allesamt an den oben genannten Instituten und Geschichtszentren und sie sind auch mit der Einrichtung des Geschichtsportal geschichte.be im Internet maßgeblich beschäftigt. Dem geschichtlich interessierten Bürger sind sie seit Jahren bekannt durch viele Veröffentlichungen und Auftritte. In Ihren Beiträgen und Büchern ist viel die Rede von Zwischenräumen und Zeitschichten, weshalb wir diese Begriffe in der Bezeichnung der Ausstellung wiederfinden. Die Veranstaltung selbst war denn auch weniger als Jubelfeier gedacht, auch wenn die Moderatorin Simone Doepgen meinte, dass man vor 50 Jahren noch gar nicht gefeiert hätte und jetzt dann eben doch. Dies führte dann zu einigen Bemerkungen einzelner Gäste, die dann doch die 100-jährige Zugehörigkeit zu Belgien feiern wollten. 

 

Für die Gestaltung dieser Ausstellung und auch für ihre Bemühungen in den Jahren zuvor, unsere Geschichte unserer Heimat aufzuarbeiten, möchte ich zumindest Dank und Anerkennung zollen. Diese damals noch und heute nicht mehr so ganz junge Garde von Historikern hat sich bereits seit Jahrzehnten sehr verdient gemacht, um die Geschichte des "Zwischenraums" den sie Ostbelgien nennen zu erforschen und somit den Anspruch zu erheben, eine Identität für diesen reizvollen Landstrich, zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Königreich Belgien gelegen, zu definieren.

 

Um es gleich vorweg zu sagen, aus meiner Sicht war die virtuelle Ausstellung, die man auch unter der Webseite www.zeitschichten.be wiederfinden kann, ein gelungenes Projekt. Sie gab wieder was die Historiker, die auf verschiedenen Ebenen und auch gemeinsam an dem Geschichtsbild Ostbelgiens arbeiten, bisher erforscht haben. Interessant waren die Fragen an die beiden Bürgermeister in der Runde, wobei mir vor allen Dingen die Stellungnahme der Bürgermeisterin Claudia Niessen (Eupen) imponiert hat, was den Anlass der Veranstaltung betraf und auch was sie zu der Verbundenheit der Menschen, die hier leben, sagte. Bürgermeister Jean-Paul Bastin wurde hingegen in französischer Sprache gefragt, wobei mir nicht bekannt ist, warum dies so sein musste, denn er spricht meines Wissens gut Deutsch und versuchte auch verschiedentlich, diese Kenntnisse anzubringen. Es wäre ein großes Zeichen von geschichtlichem Weitblick, Toleranz und Gemeinschaftsgefühl gewesen, hätte man ihm seine Äußerungen in deutscher Sprache vortragen lassen, denn immerhin ist die Stadt Malmedy noch stets eine Gemeinde mit sprachlichen Erleichterungen für deutschsprachige Bewohner und er deren Repräsentant. Falsches hat er nichts gesagt, nur eben nicht alles und vor allem nicht, was er unternehmen will, um die fest verankerte Französierung des früheren Kreises Malmedy zu "erleichtern" und der deutschen Sprache wieder den Stellenwert einzuräumen, den sie dort besessen hat. Letzte Entscheidungen des Stadtrates weisen leider nicht in diese Richtung (Sprachunterricht).

  

Interessant war denn auch noch ein beiläufiger Kommentar eines Herr Krämer (glaube ich), der als "Geschenk" an "Ostbelgien" einen Grenzpassierschein zeigte, der 1920 nötig wurde, um von der Gemeinde Schönberg bei Sankt Vith nach Bleialf, heute eine Ortsgemeinde des Gemeindeverbandes Prüm in Rheinland-Pfalz, zu kommen. Zum Schluss seiner Erklärungen sagte Herr Krämer, dass es die damaligen Verbindungen der Menschen dieser beiden Orte heute nicht mehr gibt, sie sind durch die Grenze verlorengegangen. Dies ist nun an vielen Orten festzustellen, aus nächster Erfahrung weiß ich dies zum Beispiel von der Gemeinde Raeren und dem Ortsteil Sief der Stadt Aachen. Grenzen haben nicht immer eine Brückenfunktion, auch wenn man dies manchmal so hochjubeln will. Sie setzen sich fest in den Köpfen und sie sind auch nicht ganz verschwunden, auch wenn man sie weg reden möchte. Sie treten immer dann wieder hervor, wenn nationale Reflexe zum Vorschein kommen (wie jetzt in der Gesundheitskrise um Covid-19) und sich dann andere Gefühle als die Zusammengehörigkeit Bahn brechen. 

 

Es heißt ja aus Marketingsicht hat man sich für den Namen Ostbelgien entschieden um unsere Gemeinschaft zu promoten. Prompt fühlte sich Malmedy übergangen, wenn ich das richtig gelesen habe. Richtig ist das Ostbelgien als solches auch nicht besteht, schon gar nicht im Kontext der 100 Jahre Zugehörigkeit zum Königreich. Siehe hierzu meine Meinung in zwei weiteren Blogs auf dieser Seite.

 

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Die Janssens aus Hauset

Walther und Elka Janssen wohnten mehr als 40 Jahre mit ihren drei Söhnen in dem kleinen Ort Hauset, einem Ortsteil der Gemeinde Raeren in Ostbelgien. Vieles in dem Archiv unserer Webseite dreht sich deshalb um diese 40 Jahre gemeinsamer Erlebnisse, aber auch um die Zeit davor. Elka und Walther wohnen seit 2013 in Schleckheim, einem Stadtteil im Süden von Aachen. Die beiden ältesten Söhne sind mit ihren Familien in Hauset geblieben, der jüngste Sohn wohnt am Firmensitz der Janssen Cosmetics in Oberforstbach (Aachen).  Wir möchten die Privatsphäre schützen, deshalb reagieren wir gerne auf Hinweise. Wenn Ihr also Hinweise,  Fragen, Anregungen und Vorschläge oder Ideen habt, meldet Euch gerne  

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Detlev O. (Freitag, 01 Januar 2021 17:57)

    Lieber Walther, Du hast das Jahr 2020 sehr gut von allen Seiten beleuchtet. Immer ein Blick auch auf die Firma. Bleibt gesund